Zum EuGH-Urteil: Kinder für Datenschutz sensibilisieren

Zum aktuellen Urteil des Europäischen Gerichtshofs bieten wir fünf Tipps, wie Eltern ihre Kinder über den Schutz eigener Daten informieren können.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat in einem Urteil entschieden, dass die persönlichen Daten europäischer Internetnutzer in den USA nicht ausreichend vor dem Zugriff der Behörden geschützt sind. Deshalb wurde die Vereinbarung zur einfachen Datenübermittlung in die USA (“Safe Harbor”) für ungültig erklärt. Ein irisches Gericht wollte wissen, ob die nationalen Behörden das Datenschutzniveau in den USA auch selbst prüfen können. Anlass war die Beschwerde des österreichischen Datenschutz-Aktivisten Maximilian Schrems, der vom vom irischen Datenschutzbeauftragten verlangt, die Übermittlung seiner Facebook-Daten durch die Europäische Facebook-Zentrale auf US-Server zu unterbinden.

Das hat direkte Auswirkungen auf US-amerikanische Anbieter wie Google und Facebook mit dem gleichnamigen Dienst sowie WhatsApp und Instagram, die Daten europäischer Nutzer auf Servern in den USA speichern. Auch viele Familien fragen sich, wie sie ihre Daten schützen können. Wichtig ist, dass auch Eltern ihre Kinder über den nötigen Schutz privater Daten aufklären. Hierzu bieten wir fünf Tipps.

1. Angebote prüfen

Die Registrierung bei Diensten und das Einrichten von Konten ist bei Surfanfängern Elternsache. Vorsicht gilt gerade bei Suchmaschinen, sozialen Netzwerken und Apps, die häufig Daten speichern und weitergeben. Die AGB sind genau zu prüfen, denn oft stimmen Nutzer dem damit zu. Vor der Installation und bei jedem Update einer App ist darauf zu achten, welche Zugriffsrechte die Dienste auf Adressbuch oder private Daten anfordert. Um Spuren im Netz zu verwischen, kann man im Browser einen sicheren Modus einstellen, die Suchchronik löschen und “Cookies” ausschalten. Gute Kinderseiten und Kindersuchmaschinen sammeln kaum nutzerbezogene Daten.

2. Thema kindgerecht erklären

Datenschutz klingt für Kinder trocken. Da helfen anschauliche Vergleiche: So hängt niemand Plakate mit privaten Bildern oder Briefe an öffentliche Plätze und bespricht Vertrauliches vor Fremden. Oder man gestaltet das Vermeiden und Verwischen von Datenspuren als Detektivspiel. Wichtig ist, dass Eltern mit ihren Kindern über den Schutz persönlicher Daten sprechen und auf mögliche Risiken bei der Weitergabe hinweisen. Hierzu zählen Name, Telefonnummer, Adresse, Geburtsdatum, aber auch Bilder und Videos sowie Passwörter. Besonders Bilder des Kindes oder dessen Freunde sind.

3. Konten gemeinsam einrichten

In den Einstellungen des mobilen Geräts können Eltern verhindern, dass Apps automatisch Daten synchronisieren, empfangen und versenden. SCHAU HIN! empfiehlt Eltern, geeignete Angebote zu wählen, die keine sensiblen Daten abfragen, die Nutzungsbedingungen zu lesen, Profile gemeinsam mit ihrem Kind einzurichten und dabei möglichst wenig persönliche Angaben machen. So sollte der Nutzername keinen Bezug zum tatsächlichen Namen oder Alter haben. Wichtig ist auch ein Blick in die Privatsphäreeinstellungen, um zu prüfen, wer welche Angaben sehen kann.

4. Sicheres Passwort wählen

Ein sicheres Passwort sollte keine persönlichen Daten enthalten und aus einem Mix aus Klein- und Großbuchstaben, Zahlen sowie im besten Fall Sonderzeichen bestehen. Damit man sich das Passwort gut merken kann, ist es hilfreich, es aus einem Satz abzuleiten: Aus “99 Luftballons auf ihrem Weg zum Horizont” wird so etwa “99LaiWzH”. Passwörter sind nirgends zu speichern und oft zu ändern.

5. Datenmissbrauch anzeigen

Nutzer können zwar bei Anbietern Auskunft über ihre gespeicherten Daten verlangen, deren Nutzung widersprechen und deren Sperrung oder Löschung fordern, jedoch gerade bei ausländischen Diensten nicht sichergehen, dass diese auch vollständig gelöscht werden. Wichtig ist, sich bei schweren Fällen von Datenmissbrauch wie die unerlaubte Weitergabe oder das gezielte Ausspionieren von Daten an die Verbraucherzentrale (www.surfer-haben-rechte.de) zu wenden.

Quelle

SCHAU HIN!