Je mehr Mitspracherecht Eltern haben, desto zufriedener sind sie mit den Kitas

In den vergangenen Jahren hat Deutschland massiv in den quantitativen Ausbau der Kindertagesbetreuung für Kinder unter drei Jahren investiert – nicht zuletzt, um den seit dem 1. August 2013 bestehenden Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für alle Kinder ab dem ersten vollendeten Lebensjahr zu realisieren.

Nachdem dieser quantitative Ausbau viele Jahre im Mittelpunkt stand, rückt gegenwärtig die Qualität in den Fokus der Debatten um die frühe Bildung. Ob Eltern mit der Einrichtung, die ihre Kinder betreut, zufrieden sind, hängt sehr stark davon ab, wie sie deren Qualität wahrnehmen. Das geht aus einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hervor. Die Untersuchung stützt sich auf Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP), der Stichprobe „Familien in Deutschland“ aus den Jahren 2012 und 2013 und einer Zusatzbefragung zu beiden Studien. Am zufriedensten sind die Eltern demnach mit dem Tagesablauf in den Kitas, am unzufriedensten mit den Möglichkeiten der Mitentscheidung sowie den Kosten. Deutlich unzufriedener sind insgesamt die Eltern von Kindern, die drei Jahre oder älter sind. „Dies legt nahe, dass aus elterlicher Perspektive die Qualitätsanstrengungen auch im Kindergartenbereich nicht vergessen werden dürfen“, folgern die Autoren C. Katharina Spieß, Pia Schober, Georg Camehl und Juliane Stahl aus der Abteilung Bildung und Familie.

Qualität und Kosten regional unterschiedlich

Da die Regulierung der Kindertagesbetreuung in Deutschland in den Händen von Ländern, Kommunen und Trägern liegt, gibt es große regionale Unterschiede. So variiert die Kinderzahl pro Betreuer bei Kindern unter drei Jahren mitunter im Mittel zwischen etwa zwei und gut neun Kindern. Bei den Kindern im Alter von drei oder mehr Jahren ist die Varianz noch größer. Auf regionaler Ebene wird außerdem festgelegt, ob und welche Mitwirkungsrechte die Eltern haben. „Je stärker die Eltern in Entscheidungen eingebunden werden, desto zufriedener sind sie mit der Kita“, sagt C. Katharina Spieß, Leiterin der Abteilung Bildung und Familie. Dabei geht es beispielsweise um die Mitsprache bei der pädagogischen Konzeption oder bei den Öffnungszeiten.

Auch die Kosten sind regional sehr unterschiedlich. In sechs Bundesländern waren 2014 Eltern von Gebühren befreit, wobei sich dies mehrheitlich auf das letzte Kita-Jahr vor der Einschulung bezog. In Berlin und Rheinland-Pfalz geht die Gebührenbefreiung noch deutlich weiter. Zwar spielen die Kosten für die grundsätzliche Zufriedenheit der Eltern mit den Kitas nicht die entscheidende Rolle, sie werden aber bei Fragen nach spezifischen Merkmalen mit am häufigsten kritisiert.

Besserverdienende Eltern würden auch mehr bezahlen

Auch wenn die Kita-Gebühren oft nach Haushalteinkommen gestaffelt sind, haben frühere Analysen des DIW Berlin ergeben, dass gerade einkommensschwache Familien vergleichsweise stärker belastet werden, wenn sie Kita-Ausgaben tätigen müssen. Die Autoren der Studie haben deshalb auch untersucht, ob und inwieweit Einkommen und Zufriedenheit zusammenhängen. Dafür haben sie die Einkommen in fünf Gruppen gestaffelt. Tatsächlich gaben die unteren drei Quintile an, dass sie nicht bereit oder dazu in der Lage seien, mehr zu zahlen. Dagegen waren die beiden besser verdienenden Quintile zufriedener mit der Höhe der Kita-Gebühren und auch durchaus bereit, mehr zu zahlen. Die Autoren der Studie folgern daraus, dass die Politik über eine progressivere Staffelung von Kita-Gebühren nachdenken sollte. „Hierdurch könnten öffentliche Mittel freigesetzt werden, welche die Politik nutzen kann, um die mittelmäßige Kita-Qualität in Deutschland anzuheben und Qualitätsunterschiede zwischen Einrichtungen und Regionen zu verringern.“ Damit – so die Vermutung der Studienautoren – dürfte dann auch die Zufriedenheit der Eltern noch weiter steigen.

Quelle

Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung