Star Wars – möge die Macht auch mit den Kleinsten sein?

Pünktlich zur Weihnachtszeit kommt die lang ersehnte Episode VII von Star Wars in die Kinos. Für viele Fans ist dies die Gelegenheit, ihren Nachwuchs für den Krieg der Sterne zu begeistern. Freigegeben ist der Film von der Freiwilligen Selbstkontrolle erst ab 12 Jahren – die so genannte „Parental Guidance“-Regelung erlaubt jedoch einen Kinobesuch in Begleitung der Eltern. SCHAU HIN! sprach hierzu mit Michael Gurt, Mitarbeiter am JFF-Institut für Medienpädagogik und Redakteur der FLIMMO TV-Programmberatung für Eltern.

Eltern geben ihre schönsten Kindheitserinnerungen gerne weiter – das ist bei Star Wars-Fans nicht anders. Ist es in Ordnung, als Elternteil die Altersfreigaben auch mal nicht ernst zu nehmen?

Eltern sollten sich auf jeden Fall an die Altersfreigaben halten. Das Star Wars-Universum ist ein Kriegsschauplatz, drastische Gewalt und atemberaubende Action inklusive. Die Art der Inszenierung, die Handlung und Dramatik ist für jüngere Kinder nicht geeignet.

Problem: Bereits Vorschulkinder interessieren sich für Star Wars

Das Problem ist, dass bereits Vorschulkinder durch den Star Wars-Hype neugierig werden: Sammelbildchen im Supermarkt, Kostüme auf den Kindergeburtstagen und Lego-Spielzeug. Die Vermarktungsstrategie ist lückenlos und spricht bereits die Jüngsten an. Deshalb müssen Eltern Strategien entwickeln, mit dem Phänomen umzugehen. Wenn das Anschauen der Filme oder der Serien nicht in Frage kommt, können Eltern Star Wars zur Gute-Nacht-Geschichte machen, die ohne drastische Szenen auskommt. Oder das Thema wird in anderer Form kreativ verarbeitet, zum Beispiel in dem Eltern mit ihren Kindern eigene Sammelkärtchen basteln.

Was sind denn konkret kritische Szenen oder Elemente bei Star Wars, die die Filme ungeeignet für Kinder machen?

Wesentliches Element des Star Wars-Universums ist der Kampf Gut gegen Böse. Dabei geht es mitunter drastisch zu. Szenen, wie der Endkampf zwischen Obi-Wan Kenobi und Darth Vader in Episode 3 sind für Kinder kaum zu verkraften.

Aber auch die ständige Spannung und die bedrohlichen Situationen für die Helden können jüngeren Kindern zu viel werden, auch wenn sie es nicht zugeben wollen. Darüber hinaus kann auch der Vater-Sohn-Konflikt zwischen Darth Vader und Luke Skywalker Kindern auf emotionaler Ebene sehr nahe gehen.

Einige Erwachsene könnten argumentieren, dass es sich bei Star Wars nur um reine Fiktion handelt. Ist das weniger problematisch für Kinder als beispielsweise alltagsnähere Geschichten oder sogar Nachrichten?

Sicher: Schreckliche reale Ereignisse in den Nachrichten sind für Kinder besonders belastend. Sie nehmen schon relativ früh wahr, dass das Leid der Opfer „echt“ ist. Sie verstehen, dass, im Gegensatz zu fiktionalen Darstellungen, Menschen aus Fleisch und Blut betroffen sind. Und weil sie das Gesehene auf sich beziehen und sich fragen, ob ihnen Ähnliches zustoßen kann, ist die Distanzierung von schrecklichen Bildern kaum möglich. Unabhängig davon gibt es auch Darstellungsformen in fiktionalen Stoffen, die Kinder überfordern: Drastische Gewalt, dramatische Kampfhandlungen, unheimliches Geschehen, Gewalt in der Familie, Darstellung sexueller Gewalt, um nur einige zu nennen.

Tipps für den kindgerechten Umgang mit „Schreckensnachrichten“.

Der Argumentation, dass schlimme Nachrichtenbilder für Kinder noch schlimmer sind als Star Wars und deshalb schon Sechsjährige den Film bedenkenlos anschauen können, kann ich als Medienpädagoge nicht folgen. Da Eltern die Möglichkeit haben, gemeinsam mit Kindern ab sechs Jahren auch Filme anzusehen, die erst ab zwölf Jahren freigegeben sind, obliegt ihnen letztendlich die Entscheidung. Ich würde aber raten, sich genau zu überlegen, ob das jeweilige Kind dem dramatischen Geschehen, noch dazu auf einer großen Kinoleinwand mit bombastischem Soundeffekt und in 3D, schon gewachsen ist.

Wie kann ich generell einschätzen, ob ein Film überhaupt geeignet ist für mein Kind? Worauf muss ich achten?

Erste Orientierung liefern die FSK-Einstufungen. Diese sind allerdings keine pädagogischen Empfehlungen. Einschätzungen aus pädagogischer Sicht liefern zum Beispiel FLIMMO oder Kinderfilmwelt. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte man den Film vorab selbst sichten, was aber nicht immer möglich ist.

Wichtig ist, während des Filmschauens auf die Signale der Kinder zu achten: Wirken sie verängstigt oder überfordert? Halten sie sich Augen oder Ohren zu, wirken sie aufgeregt oder verunsichert? Dann ist Trost und Beistand von den Erwachsenen erforderlich.
Wenn es nicht mehr geht, sollte der Film gestoppt werden bzw. das Kino verlassen werden. Vielleicht kann man sich gemeinsam ein „gutes“ Ende ausdenken. Die aktive Verarbeitung von Filmeindrücken ist in jedem Fall ratsam. Darüber reden, Bilder malen, Szenen nachspielen: Mit diesen Aktionen können die Mädchen und Jungen die Geschichten besser verarbeiten und in ihre Gedanken- und Vorstellungswelt integrieren. Lassen Sie unbedingt Raum dafür und regen Sie die Kinder an, sich aktiv mit dem Gesehenen zu beschäftigen.

Weitere Informationen

Mehr zum Thema Altersfreigaben finden Sie auf der SCHAU HIN! Website im Bereich „TV & Film“

Hier finden Sie mehr zum Thema Gewaltdarstellungen in Filmen.

Weiteres zum Thema Filmmarketing und Kinder. Weiter schildert ein Artikel auf FLIMMO die Sicht auf Star Wars‘ Vermarktungsstrategie.

Quelle

SCHAU HIN!