Dr. Sommer Studie: Liebe, Sex und Zärtlichkeit im Internet

Beeinflussen digitale Medien den Umgang Jugendlicher mit Aufklärung, Liebe, Körper, Sexualität und Kommunikation? Dazu befragte die Dr. Sommer-Studie 2016 der Zeitschrift Bravo rund 2.500 Jugendliche im Alter von elf bis siebzehn Jahren.

Medialer Körperkult

Während der Pubertät verändert sich der Körper eines jeden Menschen. Dabei geben rund die Hälfte der Mädchen (52%) und 67% der Jungen an mit ihrem Körper zufrieden zu sein. Jedoch besteht ein gewisser Reiz darin dem derzeitigen Ideal „dünn sein“ zu entsprechen. Dabei werden regelmäßige Gewichtskontrollen durchgeführt. Dies fängt alles schon im Alter von elf Jahren bei jedem zehnten Mädchen an, die zugaben eine Diät gemacht zu haben um ihr Gewicht zu reduzieren.

Die Mehrheit (78%) meint, dass es einen Zusammenhang zwischen Beliebtheit und "Dünn sein" gibt. Viele Mädchen, und bereits jede Dritte ab 13 Jahren, kontrollieren regelmäßig das Gewicht. Diäten spielen deshalb auch früh eine Rolle: Schon jede zehnte Elfjährige und jede vierte Zwölfjährige sagt, sie habe eine Diät gemacht, um abzunehmen. Der Körperkult in den Medien und Pro-Ana- und Pro-Mia-Communities können problematische Körperbilder sowie gesundheitsschädigendes Verhalten verstärken.

Im Selfie-Fieber

Wozu nutzt ein gutes Aussehen, wenn es nicht von genügend Menschen wahrgenommen wird? Ihre Außenwirkung und der Vergleich mit anderen sind den Jugendlichen extrem wichtig. Fast die Hälfte der Zwölfjährigen ist in einem sozialen Netzwerk, wie Facebook, Instagram, Snapchat, Tumblr und Co. registriert. Dass für soziale Netzwerke ein Mindestalter von 13 Jahren vorgesehen ist, ist oft nicht klar oder wird bewusst ignoriert. Innerhalb der Netzwerke posten sie fleißig Selfies und holen sich ihr Feedback in Form von Likes und Kommentaren.

Mädchen sind dabei aktiver als Jungen, ihre Fotos öffentlich zu machen. Im Alter ab 13 Jahren sagen im Durchschnitt 67 Prozent der Mädchen und 49 Prozent der Jungen, sie posteten Selfies im Netz. Jeder zehnte Jugendliche im Alter von 14 Jahren hat bereits Erfahrung mit Sexting. Die Jungen sind mit 17 Jahren aktiver als die Mädchen. Dass Postings oft eine Eigendynamik entwickeln, mussten einige Jugendlich schon selbst erleben: 23 Prozent der befragten Mädchen und 16 Prozent der Jungen haben schon mal wegen ihrer Fotos/ihres Aussehens Cybermobbing erlebt.

Alles Porno?

Für die Mehrheit der befragten Mädchen und die Hälfte der befragten Jungen spielt Pornografie im Netz keine Rolle. Mehr Jungen als Mädchen haben Interesse an pornographischen Inhalten (Fotos oder Bewegtbild): Die Hälfte der 15-jährigen Jungen und ein Drittel der Mädchen im selben Alter haben schon "echte Pornos" gesehen: die große Mehrheit im stationären (85%) sowie im mobilen Internet (30% der Mädchen und 41% der Jungen).

Erster Sex mit 17

Die vorliegenden Ergebnisse widerlegen die oft wiederholte These, die Jugendlichen machten immer früher sexuelle Erfahrungen und seien durch Youporn und Co. freizügiger wie frühreifer. Die Studie zeigt: Die "Generation Selfie" lässt sich Zeit für die erste sexuelle Erfahrung: Erst 27 Prozent der befragten 16-Jährigen und 47 Prozent der 17-Jährigen hatte schon einmal Geschlechtsverkehr. Dabei fühlen sich die Jugendlichen gut informiert in Sachen Liebe und Sexualität. Die Verhütungsklassiker Kondom (Mädchen: 68%, Jungen: 84%) sowie die Pille (Mädchen: 74%, Jungen: 32%) liegen im Ranking vorn.

Quelle

SCHAU HIN!