Safer Internet Day 2016:  Extrem im Netz

Zum diesjährigen Safer Internet Day rückt klicksafe den Schwerpunkt „Extrem im Netz“ in den Mittelpunkt. Die EU-Initiative koordiniert die vielfältigen Maßnahmen von Initiativen, Schulen und Medien rund um den Aktionstag in Deutschland. In mehr als 100 Ländern steht der 9. Februar im Zeichen der Internetsicherheit.

Das Internet ist extrem, im guten wie im schlechten Sinne. Für Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit sorgen gerade viele rechtsextreme und islamistische Online-Inhalte. Hass-Botschaften und Gewaltaufrufe (zum Beispiel gegen Flüchtlinge und „Ungläubige“) sind insbesondere in den Sozialen Netzwerken weit verbreitet. Auch im persönlichen Umfeld von Jugendlichen nimmt der Umgang mit dem Internet heute oft extreme Formen an. Mehr als ein Drittel der Jugendlichen (38 %) sagen, dass jemand aus ihrem Bekanntenkreis schon einmal im Netz beziehungsweise über das Handy fertiggemacht wurde. 17 % der Zwölf- bis 18-Jährigen geben an, auch über sie sei online bereits Falsches oder Boshaftes behauptet worden (Quelle: JIM-Studie 2014). Besonders schmerzhaft am so genannten Cybermobbing ist, dass es beim Verlassen der Schule, der Uni oder des Arbeitsplatzes nicht aufhört, sondern die Opfer auf Schritt und Tritt begleitet.

Jeder Fünfte ist fast immer online

Denn: Immer online und erreichbar zu sein ist für viele heute eine Selbstverständlichkeit. 92 % der Jugendlichen (zwölf bis 19 Jahre) haben heute ein eigenes Smartphone (JIM-Studie 2015). In der Sorge, etwas Wichtiges zu verpassen („FOMO“: Fear Of Missing Out) checken sie ihr Handy durchschnittlich rund 27 Mal pro Tag. Eine extrem starke Bindung zu ihrem Smartphone haben 21 % der Kinder und Jugendlichen, rund jeder Zehnte (8 %) gilt sogar als suchtgefährdet (LfM-Studie: Uni Mannheim „Always On“, 2015). Zu ähnlichen Zahlen kommen die Forscher der Uni Duisburg-Essen beim Thema Internetsucht (LfM-Studie: „Geschickt geklickt“, 2015).
Alle Bereiche des Lebens sind heute auch digital verfügbar und werden oft geteilt. Rund jeder dritte Jugendliche (33 %) hat online schon einmal Nacktbilder geschickt bekommen. 6 % der Jugendlichen kennen persönlich jemanden, der oder die mit solchen Fotos schon einmal erpresst wurde, so das Ergebnis der Sexting-Studie, die 2015 von der österreichischen Initiative Safer Internet.at veröffentlicht wurde.

Doch auch wenn die Nachrichten über Datenklau und Cyberkriminalität regelmäßig für Schlagzeilen sorgen: Für die meisten Internetnutzer überwiegen die extremen Vorteile der Online-Dienste und -Plattformen. Nachrichten aus allen Teilen der Welt erreichen uns heute fast immer zuerst über das Internet. Das Weltwissen ist im Netz jederzeit und kostengünstig abrufbar. Und mit einem Klick lässt sich fast umsonst mit der ganzen Welt kommunizieren. „Die Frage ist, ob wir inzwischen nicht sogar mehr über Medien miteinander im Gespräch stehen als im direkten Kontakt“, sagt Renate Pepper, als Direktorin der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz (LMK) mitverantwortlich für klicksafe. „Gerade persönliche Gespräche sind wichtig, um sich auf sein Gegenüber ein-stellen zu können und zuhören zu lernen. Diese Gabe bleibt bei der reinen Online-Kommunikation mitunter etwas auf der Strecke, denn hier geht es ja oft vor allem darum, sich selbst gut darzustellen und dafür viele Likes zu sammeln.“

Ihr klicksafe-Partner Dr. Jürgen Brautmeier, Direktor der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen ergänzt: „Die Gesprächskultur im Netz hat inzwischen leider an vielen Stellen extrem gelitten. Hetze in den sozialen Netzwerken und ganz offene Drohungen gegen Journalisten auf den Kommentarleisten können wir nicht tatenlos hinnehmen.“ Neben dem Sperren von Accounts und auch der strafrechtlichen Verfolgung helfe hier langfristig nur Bildung und ein fest verankertes Wertesystem. „Dafür machen wir uns mit Initiativen wie klicksafe auch weiterhin stark“, sind sich Renate Pepper und Dr. Jürgen Brautmeier einig.

Quelle

klicksafe