Neue Studie: Trotz Stress: Eltern wollen Hausaufgaben nicht abschaffen

Hausaufgaben: immer wieder sorgen sie in Familien für Stress und Streit. Viele Schüler leiden unter dem schulischen Druck auch zu Hause. Der Online-Lernspezialist scoyo befragte in einer forsa-Umfrage* 1.010 Eltern zur Belastung ihrer Kinder durch Hausaufgaben. Das Ergebnis: Knapp die Hälfte der Kids fühlen sich mit der Menge der Aufgaben überfordert, 36 Prozent davon ab und zu, 12 Prozent häufig oder immer. Eine zusätzliche FACT-Befragung** unter Kindern ergibt ein ähnliches Bild: 58 Prozent der 9- bis 13-jährigen Jungen und Mädchen empfinden ihre Hausaufgaben als Anstrengung. Als Ausweg greift ein Großteil der Eltern den Schützlingen unter die Arme: 26 Prozent der Erwachsenen helfen fast immer oder häufig, 39 Prozent ab und zu. Trotzdem halten drei Viertel der Befragten sie für sinnvoll und wären gegen eine Abschaffung. Bei den Kindern wünscht sich knapp die Hälfte ein Leben ohne Hausaufgaben.

Burnout-Kids?

Hausaufgaben sind Teil eines Alltags, in dem Schulkinder insgesamt hohe Anforderungen zu schultern haben. Die Tage sind häufig komplett verplant – Freizeit kommt zu kurz. „Schüler müssen heute ein unglaubliches Arbeitspensum bewältigen. Nach 36 Stunden Schule kommen dann noch die Hausaufgaben. Mit Prüfungen und Referaten, Sport und Musikinstrument kommen sie so auf bis zu 50 bis 60 Wochenstunden. Das stellt eine erhebliche Belastung dar“, warnt Michael Schulte-Marktwort, Kinder- und Jugendpsychiater am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf. Auch scoyo-Geschäftsführer Daniel Bialecki sieht das kritisch: „Bei Erwachsenen ist das Thema Work-Life-Balance schon lange in aller Munde und oft ein Problem. Wir sollten nun darauf achten, dass unseren Kindern genug Zeit für Freizeit bleibt und sie einen Ausgleich zu den täglichen Verpflichtungen haben.“ Er empfiehlt den Eltern, im Blick zu behalten, wie umfangreich die Hausaufgaben sind und ob ihr Nachwuchs alleine damit klar kommt. Bei Überforderung sollten Mütter und Väter das Gespräch mit den Lehrern suchen und gemeinsam nach den Ursachen und Lösungsansätzen forschen.

Wie lange dürfen Hausaufgaben dauern?

Die Vorgaben, wie lange Kinder täglich Hausaufgaben machen sollten, unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland. Nordrhein-Westfalen führte 2015 verbindliche Hausaufgabenzeiten ein: In der 3. und 4. Klasse müssen sie in 45 Minuten zu erledigen sein, in Klasse 5 bis 7 in 60 Minuten.

Kinder selber machen lassen

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage unter Kindern: Lediglich 24 Prozent der Schüler, die Hausaufgaben aus der Schule mitbringen, erledigen diese eigenständig. Wenn Mütter oder Väter ihren Kindern unter die Arme greifen, meinen sie es gut, helfen ihnen damit jedoch nicht. „Es hat überhaupt keinen Zweck, wenn die Eltern ihren Kindern die Hausaufgaben erledigen. Sie sollen dafür sorgen, dass vernünftig gearbeitet wird, dass feste Arbeitsgewohnheiten da sind“, so der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus. Die Kinder sehen das offenbar ähnlich: In der Umfrage trauten sich 64 Prozent der Befragten, deren Eltern helfen, das Erledigen der Hausaufgaben auch alleine zu.

Der Autor und Bildungsjournalist Armin Himmelrath fordert in seinem Buch „Hausaufgaben? Nein danke!“, dass sie abgeschafft und stattdessen dort erledigt werden sollten, wo sie hingehörten: in der Schule. Kraus dagegen sieht eine große Stärke der Hausaufgaben in der Förderung von Eigenverantwortung.

Weitere Informationen zur Umfrage
Infografik

*Eine repräsentative forsa-Umfrage unter 1.010 Eltern von Kindern zwischen 9 und 13 Jahren, erhoben im Januar 2016.
** Eine repräsentative FACT-Umfrage unter 503 Kindern zwischen 9 und 13 Jahren, erhoben im Januar 2016.

Veranstaltungshinweis

Stressfaktor Hausaufgaben? Was Eltern und Kinder entlastet -
6. scoyo-Elternabend im Netz, 22. Februar 2016, 20 bis 21 Uhr

Der Online-Lernspezialist scoyo lädt Mütter und Väter ein, gemeinsam beim 6. Elternabend im Netz mit Expertinnen und Experten über den Sinn und Unsinn von Hausaufgaben zu diskutieren. Dabei sollen die Nöte der Kinder und Fragen von Eltern besprochen werden: Was bringen Hausaufgaben überhaupt? Sollten Eltern helfen oder die Kinder lieber selber machen lassen? Welche Alternativen gibt es zu den klassischen Hausaufgaben?

Es diskutieren und antworten auf Fragen der Eltern:
• Armin Himmelrath, freier Bildungs- und Wissenschaftsjournalist sowie Gründer und Mitinhaber des Medienbüros Köln
• Tonia von Gunten, Eltern- und Erwachsenencoach, Autorin und Bloggerin
• Nina Massek, Buchautorin, Bloggerin und Mutter
• Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologen-Verbandes Nordrhein-Westfalen

Interessierte können vor und während des Elternabends ihre Fragen stellen, via:
• E-Mail: elternabend@scoyo.de
• Facebook
• Twitter: #Elternabend, #Hausaufgaben und/oder „@scoyo“

Link zum scoyo-Elternabend

Quelle

Scoyo