96 Prozent der Eltern halten Handschreiben für wichtig

Eine aktuelle Umfrage im Auftrag des Schreibmotorik Instituts, Heroldsberg, mit Unterstützung des Bundeselternrates, macht deutlich, dass auch im digitalen Zeitalter die Handschrift ein wichtiges Bildungsthema bleibt – zu viele Kinder haben hier Probleme. Der Didacta Verband und das Schreibmotorik Institut haben deshalb jetzt die „Aktion Handschreiben 2020“ ins Leben gerufen.

Mehr als 96 Prozent der Eltern halten schreiben lernen mit der Hand heutzutage noch für wichtig, fast zwei Drittel davon sogar für sehr wichtig. Über 23 Prozent der Eltern stellen allerdings fest, dass ihre Kinder Probleme haben, mehr als 30 Minuten am Stück zu schreiben. Das wären hochgerechnet auf Deutschland 1,2 Millionen Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren, die nicht ausdauernd leserlich und ohne Verkrampfungen schreiben können.

Dies sind Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage unter Eltern in Deutschland, die das Schreibmotorik Institut, mit Unterstützung des Bundeselternrates, durchgeführt hat (weitere Ergebnisse hier). Die Probleme sind Anlass für die Konstituierung der „Aktion Handschreiben 2020“, die eine verbesserte Förderung der Schreibmotorik in den Kitas und Grundschulen etablieren möchte. Gründungsmitglieder des Bündnisses, das jetzt im Rahmen einer Pressekonferenz auf der Bildungsmesse didacta vorgestellt wurde, sind der Didacta Verband sowie das Schreibmotorik Institut. Der Vorstand des Bundeselternrats unterstützt das Bündnis.

Klar ist: Immer mehr Kinder haben Schwierigkeiten, im Verlauf des Schriftspracherwerbs in der Grundschule eine „gut lesbare, flüssige Handschrift“ zu entwickeln, wie es in den bundesweit geltenden Bildungsstandards „Deutsch für die Primarstufe“ vorgegeben ist. Nach Schätzung von Lehrkräften sind sogar rund die Hälfte der Jungen und ein Drittel der Mädchen von diesen Problemen betroffen. Als wichtigste Ursache sehen Grundschul-Lehrerinnen und Lehrer vor allem „eine schlechte Feinmotorik“ ¹. Nach Angabe der Lehrerinnen und Lehrer hat sich die Situation in den letzten Jahren noch weiter verschlechtert.

Dies beeinträchtigt Bildungschancen. Neurowissenschaftliche Erkenntnisse legen einen engen Zusammenhang zwischen kognitiver und motorischer Entwicklung von Kindern nahe. Fast alle Lehrerinnen und Lehrer sehen einen Zusammenhang zwischen der Handschrift der Schülerinnen und Schüler und deren schulischen Leistungen².

Aus diesen Gründen ergreift die „Aktion Handschreiben 2020“ jetzt die Initiative, damit die Voraussetzungen und Möglichkeiten zum Erlernen des Handschreibens sowohl in den Bildungseinrichtungen Kita und Schule wie auch in den Familien zu Hause verbessert werden. Allen Kindern soll ermöglicht werden, eine gut lesbare und flüssige Handschrift zu entwickeln. Auch die Inklusion, hier insbesondere die Integration von Kindern aus Familien mit Migrationshintergrund – aktuell: Flüchtlingskinder – machen es notwendig, die Förderung in diesem Bereich zu verbessern.

¹ Dies geht aus einer Umfrage hervor, die das Schreibmotorik Institut, Heroldsberg, im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem Deutschen Lehrerverband durchgeführt hat. Danach meinen vier Fünftel (79 Prozent) der an der Erhebung beteiligten Lehrerinnen und Lehrer an weiterführenden Schulen, die Handschrift ihrer Schülerinnen und Schüler habe sich im Schnitt verschlechtert. Sogar 83 Prozent der befragten Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer gaben an, dass sich die Kompetenzen, die Schüler als Voraussetzung für die Entwicklung der Handschrift mitbringen, in den vergangenen Jahren verschlechtert haben. Die häufigsten genannten Ursachen aus Lehrersicht sind in der Grundschule: „Schlechte Feinmotorik“ (84 Prozent), „Zu wenig Übung zu Hause“ (61 Prozent) und „Fortschreitende Digitalisierung der Kommunikation“ (53 Prozent).

²Nur 0,7 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer an weiterführenden Schulen, 1,4 Prozent an Grundschulen sehen keinen Zusammenhang.

Quelle

Didacta Verband e.V. / Verband der Bildungswirtschaft