UNICEF-Studie: Wachsende Ungleichheit beim Kindeswohl in Industrieländern

Ein neuer UNICEF-Bericht zeigt die Ungleichheit beim Kindeswohl in reichen Industrieländern.

Die Studie „Fairness für Kinder“ des UNICEF-Forschungszentrums Innocenti erstellt eine Rangliste aus 41 Industrieländern, wie weit dort die am stärksten benachteiligten Kinder am unteren Ende der Gesellschaft hinter ihren Altersgenossen in der Mitte zurückbleiben. Im Mittelpunkt stehen die Ungleichheiten beim Einkommen, beim Schulerfolg, bei selbst berichteten Gesundheitsproblemen und bei der persönlichen Lebenszufriedenheit.

Danach steht Dänemark an der Spitze der Tabelle mit der geringsten Ungleichheit zwischen Kindern. Israel und die Türkei stehen am Ende, Deutschland nimmt mit Platz 14 einen Platz im Mittelfeld ein.

In 19 von 41 Industrieländern, für die vergleichbare Daten vorliegen, lebt mehr als jedes zehnte Kind in einem Haushalt, dem weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens zur Verfügung steht.

Zwischen 2002 und 2014 wuchsen in den meisten Ländern die Unterschiede bei selbst berichteten Gesundheitsproblemen. Gleichzeitig verringerten sich Ungleichheiten bei der Häufigkeit sportlicher Aktivitäten und bei ungesunder Ernährung.

Bei der Lesefähigkeit sank die Ungleichheit in den meisten Ländern.

Die meisten Kinder geben ihre Lebenszufriedenheit auf einer Skala von eins bis zehn mit acht an. Aber die Kinder am unteren Ende fallen demgegenüber weit zurück. In allen Ländern haben Mädchen im Alter zwischen 13 und 15 Jahren eine geringere Lebenszufriedenheit als Jungen.

Die UNICEF-Studie ruft die Regierungen dazu auf, das Wohlbefinden zu stärken und allen Kindern faire Chancen zu eröffnen. Dazu gilt es,

  • die Einkommen der Haushalte mit den ärmsten Kindern zu schützen,
  • die Bildungschancen für benachteiligte Kinder zu verbessern,
  • eine gesunde Lebensweise für alle Kinder zu fördern,
  • das subjektive Wohlbefinden von Kindern ernst zu nehmen.

„Das Wohlergehen von Kindern ist in keinem Land das zwangsläufige Ergebnis individueller Umstände oder der wirtschaftlichen Entwicklung, sondern wird durch politische Entscheidungen bestimmt“, erklärte Sarah Cook, Leiterin des UNICEF-Forschungszentrums Innocenti. „Aus unserem Verständnis der langfristigen Folgen wachsender Ungleichheit wird immer deutlicher, dass die Regierungen der Förderung des Wohlbefindens aller Kinder heute Priorität einräumen müssen, damit sie die Chance erhalten, ihre Fähigkeiten zu entfalten.“

Weitere wichtige Ergebnisse sind:

  • Zwei der reichsten Länder der Erde, Japan und die USA, liegen im unteren Drittel der Staaten mit einer hohen Einkommensungleichheit. In beiden Ländern liegt das Haushaltseinkommen der untersten zehn Prozent der Kinder ungefähr bei 40 Prozent dessen, was ein Kind aus der Mitte der Gesellschaft zur Verfügung hat.
  • Lediglich Spanien und die USA schafften seit 2002 Verbesserungen in allen vier Indikatoren für gesundheitliches Wohlbefinden.
  • Vier Länder – Estland, Irland, Litauen und Polen – schafften es, die Kluft beim Schulerfolg zu verringern und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass weniger Kinder hinter den minimalen Leistungsstandards zurückblieben.
  • In zehn Ländern, in denen Daten zum Geburtsland erhoben werden, haben in sieben Staaten Migrantenkinder eine geringere Lebenszufriedenheit.

Quellen der Studie:

Die Berechnungen zum Einkommen basieren auf den Mikrodaten der EU-Statistikbehörde (EU-SILC) 2013 für Staaten der Europäischen Union, Island, Norwegen und die Schweiz.

Für die übrigen neun Länder wurden Einkommensdaten von nationalen repräsentativen Einkommensuntersuchungen analysiert.

Die Analyse der Ungleichheit beim Schulerfolg basiert auf den Datensätzen des OECD-Programms PISA 2006, 2009, und 2012.

Die Gesundheit und Lebenszufriedenheit wird auf der Basis der Daten des Health Behaviour in School-aged Children Survey (HBSC) 2013/2014 untersucht.

Website des UNICEF-Forschungszentrums Innocenti

Quelle

UNICEF