Glücklich ohne Kinder, Auto und Gott: Erste Ergebnisse der Jugendstudie "Generation What?"

Seit 11. April 2016 läuft mit "Generation What?" die größte europaweite Studie zur Lebenswelt junger Menschen (18 bis 34 Jahre). Bisher haben sich mehr als 650.000 Menschen aus 31 Ländern Europas an der Umfrage beteiligt, die in Deutschland vom BR zusammen mit dem SWR und dem ZDF umgesetzt wird. Und schon jetzt lassen sich die ersten Tendenzen ablesen, die einige interessante Gegensätze offenbaren: So kann sich eine Mehrheit vorstellen, ohne Kinder, Autos, Fernsehen und Gott glücklich zu sein. Bei der Frage, ob ein Glücklichsein ohne Internet möglich wäre, klickte die Mehrheit dagegen "nein".

Am Sonntag in die Kirche, am Abend mit der ganzen Familie vor dem Fernseher und am Wochenende ein Ausflug mit dem neuen Auto: Was im bürgerlichen Leben der Nachkriegszeit einst so wichtig war, scheint in ganz Europa an Relevanz zu verlieren. In Deutschland können sich etwa 80 Prozent der 18- bis 34-Jährigen ein Leben ohne Gott, 70 Prozent ein Leben ohne Auto und 79 Prozent ein Leben ohne Fernsehen vorstellen. Selbst ein glückliches Leben ohne Kinder ist immerhin für 52 Prozent der deutschen Befragten denkbar. Überraschend dagegen das Ergebnis für Italien: Dort können sich 76 Prozent der jungen Menschen ein Leben ohne Kinder vorstellen. Trifft also das Klischee der kindervernarrten italienischen Großfamilie gar nicht mehr zu?

Ohne Internet geht es dagegen weniger: Eine knappe Mehrheit von 52 Prozent der Antwortenden in Deutschland gaben an, sich nicht vorstellen zu können, ohne Internet glücklich zu sein. Auch auf Sport, Musik (88 Prozent) und Bücher (71 Prozent) wollen die meisten nicht verzichten.

Das Kopftuch stört nicht, wohl aber der String-Tanga

Auch die Ergebnisse zu dem, was die Studienteilnehmer stört, sind durchaus interessant: Nur 39 Prozent der jungen Deutschen stören sich am Kopftuch, für 61 Prozent ist eine Verschleierung von Mädchen auf der Straße oder am Arbeitsplatz kein Problem. Damit scheint in Deutschland die Toleranz vergleichsweise groß auszufallen. In Frankreich dagegen stört sich eine Mehrheit von 56 Prozent am Kopftuch auf der Straße oder am Arbeitsplatz. Auf der anderen Seite mögen die deutschen Teilnehmer keine Männer, die Frauen hinterherpfeifen (72 Prozent). Sie stören sich mehrheitlich auch an Mädchen, die ihre Hose so tragen, dass ihr String-Tanga zu sehen ist (53 Prozent) sowie an Männern, die ihre Hose so tief tragen, dass die Unterwäsche herausschaut (51 Prozent).

Noch bis November können junge Menschen zwischen 18 und 34 Jahren auf www.generation-what.de an der Umfrage teilnehmen: 149 Fragen von Politik über Religion bis hin zu Sexualität und Lebensglück. Das Ziel: Die Generation der 18- bis 34-jährigen Europäer soll die Chance erhalten, selbst ein Bild ihrer Generation zu zeichnen. Koordiniert wird "Generation What?" von der Europäischen Rundfunkunion (EBU), in Deutschland begleiten der Bayerische Rundfunk zusammen mit dem ZDF und dem SWR das Projekt.

Der Blick auf die Webseite lohnt sich auch für alle Neugierigen. So kann man schon jetzt unter den Rubriken "So denkt Europa" beziehungsweise "So denkt Deutschland" nach Alter, Bildung und Geschlecht differenzierte Befunde "in Echtzeit" anzeigen lassen und sie per Mausklick auf allen Webseiten einbinden. Im November wird das Sinus-Institut in Zusammenarbeit mit Soziologen aus ganz Europa anhand einer repräsentativ gezogenen Stichprobe die Endergebnisse zum Projekt "Generation What?" in Kooperation mit den Sendern vorstellen.

Quelle

Bayerischer Rundfunk