Medizinische Kinderschutz-Hotline für Ärzte

24 Stunden – 7 Tage die Woche soll es künftig eine medizinische Kinderschutz-Hotline geben. Ärztinnen und Ärzte können sich hier bei Verdachtsfällen auf Kindeswohlgefährdung beraten lassen.

Künftig sollen sich Medizinerinnen und Mediziner an eine zentrale und kostenfreie Beratungsnummer wenden können, wenn sie in ihrem Arbeitsalltag auf mögliche Fälle von Kindesmisshandlung und Kindesmissbrauch stoßen. Fachleute beraten die Kolleginnen und Kollegen bei Verdachtsfällen auf Kindeswohlgefährdung in medizinischen Not- und Akutsituationen in Kliniken und Praxen. Ab dem 1. Oktober wird das Universitätsklinikum Ulm die Vorbereitungsarbeiten zur Einrichtung der Hotline starten, gefördert wird das Projekt vom Bundesfamilienministerium.

Unterstützung und Rechtssicherheit

"Ärztinnen und Ärzte spielen im Kinderschutz eine wichtige Rolle. Oft sind sie die ersten, die eine mögliche Gefährdung feststellen. Sie müssen schnell erkennen und reagieren, wenn ein Kind Schutz braucht, wenn sie eine Misshandlung vermuten, wenn sie bei einem Säugling ein Schütteltrauma diagnostizieren. Dafür brauchen sie Unterstützung und Rechtssicherheit", so Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig.

Die Ergebnisse der Evaluation des Bundeskinderschutzgesetzes zeigen, dass das Gesundheitswesen eine besonders wichtige Rolle beim Aufdecken von Gefährdungen bei Säuglingen und Kleinkindern spielt. Bei der Kinderschutz-Hotline erreichen Assistenzärzte in den Aufnahmestationen, Klinikmitarbeiter, aber auch Hausärzte und andere Angehörige der Heilberufe künftig kompetente Kollegen, die mit ihrem Wissen helfen sollen, mehr Verdachtsfälle von Misshandlung und Missbrauch aufzuklären.

Die Beratungstätigkeit soll von Assistenzärztinnen und Assistenzärzten mit einschlägigem Hintergrundwissen in Kinderschutzfragen ausgeübt werden. Sie sollen schnell medizinische und rechtliche Orientierung geben. Die Anruferinnen und Anrufer sollen Rechtssicherheit erhalten und das mögliche weitere Vorgehen im konkreten Fall anonym besprechen können.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Beraterinnen und Berater über die notwendigen Kompetenzen verfügen, um medizinische Problemschilderungen verstehen zu können. Sie müssen darüber hinaus aber auch den rechtlichen Rahmen im Kinderschutz kennen und über die Möglichkeiten der Hilfe insbesondere in der Jugendhilfe, informieren können. Um einen hohen fachlichen Standard zu gewährleisten, wird zudem ein mit einer Fachärztin oder einem Facharzt besetzter Hintergrunddienst für die Hotline eingerichtet werden.

Lücken im Kinderschutz schließen

Das Angebot soll dabei helfen, die unterschiedlichen Fachsprachen und Herangehensweisen von Gesundheitswesen und Kinder- und Jugendhilfe zusammenzuführen. Verständigungsprobleme, die zu Lücken im Kinderschutz führen können, sollen so geschlossen werden.

Projektstart für April 2017 geplant

Nach einer sechsmonatigen Vorbereitungsphase wird die medizinische Kinderschutz-Hotline voraussichtlich ab April 2017 für Medizinerinnen und Mediziner im Pilotbetrieb zur Verfügung stehen. Das Projekt läuft bis Herbst 2019. Neben einer begleitenden Forschung zur Qualitätssicherung wird am Ende der Projektlaufzeit eine externe Evaluation des Projektes erfolgen.
 

Quelle

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend