Verlorenes Interesse an Hobbys und Isolierung können Hinweise auf Computerspielabhängigkeit sein

Verbringt ein Jugendlicher viel Zeit mit dem Computer, ist dies alleine noch kein Hinweis auf Suchtverhalten. Aber isoliert sich ein Teenager sich, verliert an vielen anderen Dingen sein Interesse und nutzt Computerspiele als Flucht, sollten Eltern aufmerksam werden.

Wenn Heranwachsende ihre Alltagsverpflichtungen zunehmend vernachlässigen (Haushalt, Zimmerordnung, Garten), stattdessen immer mehr alleine vor dem Computer sitzen und soziale Kontakte mehr und mehr unterbleiben (Freunde, Vereine, Großfamilie), diese fast nur noch über Onlinespiele pflegen, sind dies ernste Hinweise für einen bedrohlichen Umgang mit dem PC. „Die Zeit, die ein Jugendlicher mit dem Computer verbringt, korreliert nicht mit der Suchtgefahr. Nutzt ein Jugendlicher aber Computerspiele als Flucht vor seinen Problemen, ist dies bedenklich“, erklärt Dr. med. Uwe Büsching, Sprecher des Ausschusses Jugendmedizin vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Ein größerer Teil der 13- bis 18-Jährigen in Deutschland ist sich des Risikos von Computerspielen nicht wirklich bewusst. Vielspieler neigen zudem dazu, ihre Eltern in Bezug auf die Zeit, die sie mit Gaming verbringen, anzulügen, um sich nicht einschränken zu müssen. Sie beschäftigen sich gedanklich tagsüber fast ausschließlich mit den Spielen und werden unruhig, wenn sie „zu lange“ nicht in der virtuellen Welt sein konnten. Die Entwicklung einer Mediensucht verläuft wie beim Substanzmittelmissbrauch - ohne Rücksicht auf schulische Verpflichtungen, Elternhaus, Freundschaften oder sogar Schlaf und Hygiene. Jungen verfallen den virtuellen Medien fast doppelt so häufig wie Mädchen.

Dr. Büsching rät Eltern, Computerspiele im Jugendalter nicht als falsch oder als komplette Zeitverschwendung abzuwerten. „Jugendliche müssen einen angemessenen Umgang mit Medien lernen. Bestimmte Regeln, die schriftlich als Vertrag mit Jugendlichen formuliert werden sollten, können helfen, Konflikte in den Familien zu reduzieren. Medienverbote sind keine Lösung! Begrenzung der Zeit mit der Möglichkeit, sich Zusatzzeiten zu erarbeiten, sind viel sinnvoller. Eltern sollten auch auf den Inhalt des Spiels und auf Altersgrenzen achten“, so Dr. Büsching. Die Zeit vor einem Bildschirm ist absolute Freizeit, nach Schule, Freunden, Familie, Verein!

Quelle: Monatsschr Kinderhlkd, Aust Fam Physician.
 

Quelle

Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V.