Anschlag in Berlin: Über Ängste sprechen

Das Attentat auf dem Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz bestimmt die Nachrichten. Dies ist gerade für Kinder belastend. Viele machen sich Sorgen, ob so etwas auch ihnen passieren kann. Wir empfehlen, bei Kindern auf altersgerechte Nachrichten zu achten und über Ängste zu sprechen.

Die Berichte über den Anschlag in Berlin und die Bilder vom Unglücksort können Kinder verstören. Für Eltern ist es schwierig, über Terror zu sprechen, gerade weil viele Details noch unbekannt und sie selbst verunsichert sind. Doch erfahren Kinder durch die Medien oder Gespräche unweigerlich von den Ereignissen. Es ist wichtig, dass Eltern sie nicht damit alleine lassen. Bekommen Kinder von den Ereignissen mit, ist es wichtig, dass Eltern mit ihnen darüber reden. Denn viele Kinder sorgen sich, dass solche Attentate auch bei ihnen passieren können.

Sachlich bleiben

Eltern müssen ihre eigene Besorgnis nicht verschweigen, sondern diese lieber erklären. Sie dürfen sich allerdings nicht von den eigenen Gefühlen mitreißen lassen und diese direkt weitergeben. Das versetzt Kinder nur in Panik, gerade wenn sie merken, dass diejenigen, die auf sie aufpassen sollen, selbst schutzlos sind. Auch wilde Spekulationen verunsichern Kinder unnötig. Deshalb ist es wichtig, die Situation möglichst nüchtern zu betrachten.

Passende Erklärungen finden

Egal wie alt ein Kind ist, es will mit seinen Gefühlen ernst genommen werden. Statt also Trauer, Angst und Wut zu beschwichtigen, fragen Eltern besser nach, was das Kind genau traurig macht. Allein schon dieses Wahrnehmen und Interesse ist tröstlich. Wichtig ist es hierbei, offene Fragen zu stellen. In jedem Fall ist es wichtig, auf die jeweilige emotionale Lage, das Interesse und das Verständnis des Kindes einzugehen und passende Erklärungen zu finden. Beginnt man mit den Fragen, überrennt man das Kind nicht mit Dingen, die es gar nicht beschäftigen. Je nachdem, wie alt Kinder sind, interessieren sie oft ganz unterschiedliche Aspekte der Ereignisse.

Weil sich Klein- und Vorschulkinder von solchen Ereignissen schwerer distanzieren können, reagieren sie meist emotionaler als ältere Kinder. Sie entwickeln rasch große und teilweise irrationale Ängste entwickeln, dass ihnen oder ihren Eltern etwas Ähnliches passieren könnte. In diesem Alter fürchten sich Kinder vor allem davor, ihre Eltern zu verlieren oder von ihnen getrennt zu werden. Für sie ist es wichtig zu wissen, dass die Eltern alles tun, um sie zu schützen und sicher zu sein. Eltern können betonen, dass solche Anschläge relativ unwahrscheinlich sind. Sie können ihre Kinder dazu anregen, ihre Gefühle in einem Bild oder einer Geschichte auszudrücken.

Schulkinder hingegen verstehen bereits, dass terroristische Anschläge sehr selten passieren, dass die Regierung versucht, so etwas zu verhindern, zum Beispiel mithilfe von Polizisten. Moralische Fragen von Schuld und Strafe stehen bei ihnen oft im Mittelpunkt. Sie fragen nach, wie es wäre, wenn so etwas bei ihnen vor Ort passieren würde, und wollen Verantwortlichkeiten geklärt wissen. Eltern können hier vor allem auf kindgerechte Informationen und die Schule verweisen.

Teenager tendieren dazu, die Ereignisse auf ihr eigenes Leben umzumünzen. Sie fühlen sich manchmal betrogen, weil sie spüren, dass jede Art von Sicherheit nur eine vorläufige ist und dass niemand sie garantieren kann. In diesem Alter kommen auch größere politische Fragen auf. Hier kann man gut Diskussionen über die Art der Berichterstattung anstoßen und wie Populisten die Nachrichten für ihre Zwecke nutzen. Viele Teenager beteiligen sich an Solidaritätsbekundungen über soziale Medien. Es ist wichtig, dass sie lernen, Falschmeldungen zu erkennen sowie im Zweifel Fakten oder Bilder nachzurecherchieren. Hinweise dazu bietet das Portal sogehtmedien.de. Unseriöse oder manipulative Beiträge nicht teilen und Quellen, die solche oft verbreiten, meiden.

Kindgerechte Angebote nutzen

Besonders für Kinder bis etwa zehn Jahren sind Nachrichten für Erwachsene nicht geeignet, da sie diese kaum verstehen und verarbeiten können. Kindgerechte Erklärungen bieten Kindernachrichten wie „logo!“ und „neuneinhalb“, der Kinderradiokanal oder Infoseiten wie kindernetz.de/minitz, news4kids.de, sowieso.de und hanisauland.de. Eltern und Kinder können Beratungsangebote wie nummergegenkummer.de nutzen.

Sonderprogramm im KiKA

Der Kinderkanal von ARD und ZDF bietet Dialogmöglichkeiten auf kika.de, erwachsene.kika.de sowie mit eine ausführliche Berichterstattung in der Kindernachrichten-Sendung „logo! Die Welt und ich.“ (ZDF).

Um 19:50 Uhr blickt „logo! Die Welt und ich“ (ZDF) auf den aktuellen Stand der Ermittlungen und ordnet diese kindgerecht ein. tivi.de begleitet die Nachrichtenlage parallel.

Die „logo!“-Moderatorin Jennie Sieglar sowie Clarissa Corrêa da Silva und Sabine Marx vom „KUMMERKASTEN“-Team stehen im Anschluss daran ab 20:00 Uhr zum Chat in der KiKA-Community mein!KiKA bereit. Dort gehen die Moderatorinnen auf die Fragen der Kinder ein und versuchen, die Ängste und Sorgen aufzufangen.

Im Online-Angebot „KiKA für Erwachsene“ gibt Sabine Marx, Fachberaterin der Diakonie, am heutigen Vorabend in einem Video-Interview Hilfestellungen für Eltern, wie das Ereignis in der Familie thematisiert werden kann.

Weitere Informationen und ein Experteninterview bietet SCHAU HIN! im Extrathema „Kinder und Nachrichten“.

Quelle

SCHAU HIN!