Bundesweite Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien gestartet

Zwischen dem 12. und 18. Februar finden in rund 70 deutschen Städten über 100 Veranstaltungen und Aktionen statt, die die Aufmerksamkeit für die über 2,5 Millionen Kinder erhöhen sollen, die in Deutschland mit alkoholkranken oder drogenabhängigen Eltern zusammenleben. Die Aktionswoche wird in Deutschland initiiert von NACOA Deutschland e.V., Such(t)- und Wendepunkt e.V. und Kunst gegen Sucht e.V.

Auch über 13 Jahre nach dem Beschluss der 10 zehn Eckpunkte zur Verbesserung der Situation von Kindern aus  suchtbelasteten Familien auf der Fachkonferenz "Familiengeheimnisse" im Bundesgesundheitsministerium sind die schätzungsweise 2,65 Millionen Kinder von Alkoholikern und ca. 40.000 bis 60.000 Kinder drogenabhängiger Eltern in Deutschland noch immer ohne gesetzlichen Anspruch auf Hilfe. Obwohl bekannt ist, dass diese Kinder die Hochrisikogruppe für eigene Suchterkrankungen und psychische Erkrankungen sind, bleibt ihnen in Deutschland präventive Hilfe und Unterstützung in den allermeisten Fällen vorenthalten, da es keine gesetzlichen Anspruchsgrundlagen gibt. Erst wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, erst wenn Kinder und Jugendliche infolge des Aufwachsens in einer dauerhaft von Unberechenbarkeit und emotionaler Abwesenheit der Eltern geprägten Atmosphäre krank oder sozial auffällig werden greifen - meist viel zu spät - Hilfeansprüche aus der Krankenversicherung.

Die Bundesdrogenberichte 2015 und 2016 halten fest, dass die Kinder von Suchtkranken in Deutschland oft keine adäquate Hilfe und Unterstützung erhalten und dass für sie flächendeckende Hilfe im Rahmen einer Regelfinanzierung notwendig ist. Wie diese Regelfinanzierung sichergestellt werden kann, darauf hat die Bundespolitik bis heute keine Antwort gegeben. Ein Ansatzpunkt, könnte die Novellierung des Sozialgesetzbuches VIII (Kinder und Jugendhilfe) sein, bei der die Finanzierung von Hilfen für Kinder aus Suchtfamilien durch ein Bundesgesetz geregelt werden könnte. Nach derzeitigem Kenntnisstand steht aber zu befürchten, dass diese Gesetzesreform in die nächste Legislaturperiode vertagt wird. Somit bleibt eines der drängendsten Public-Health-Probleme Deutschlands weiter von der Bundespolitik unerledigt.

Beispiel Großbritannien

Anders verspricht sich der Umgang mit dem Problem derzeit in Großbritannien zu gestalten. Dort hat eine parteiübergreifende Gruppe von Abgeordneten des Unterhauses, die selber als Kinder mit alkoholkranken Eltern aufgewachsen sind, sich des Themas angenommen. Jüngst haben sie die britische Gesundheitsministerin Nicola Blackwood (Tories) mit persönlichen Berichten über ihre Kindheit und Jugend in suchtkranken Familien emotional so berührt und wachgerüttelt, dass Blackwood der Parlamentariergruppe eine Zusammenarbeit bei der Überwindung der großen sozialen Ungerechtigkeit zusagte, die Kindern alkoholkranker Eltern widerfahre. Die Gesundheitsministerin sagte nach der Anhörung der Parlamentariergruppe: "Große soziale Veränderungen haben meiner Meinung nach drei Voraussetzungen: einen langfristigen politischen Willen, eine parteiübergreifende Zusammenarbeit und Mut."

In diesem Sinne will die achte Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien wachrütteln:  www.coa-aktionswoche.de

Mit über 100 Veranstaltungen und Aktionen bundesweit werden Fachkräfte für die Probleme von Kindern aus Suchtfamilien sensibilisiert und betroffene Familien beraten. Die Aktionswoche findet zeitgleich auch in den USA und Großbritannien statt.
In Deutschland steht sie unter der Schirmherrschaft der Schauspielerin Katrin Sass.

Weiterführende Informationen

Quelle

NACOA Deutschland e.V.