Zweisprachigkeit erhöht kommunikative Fähigkeiten von Kleinkindern

Bereits von klein auf wissen Kinder, was es braucht, um Interaktionen erfolgreich zu gestalten. In einer gerade veröffentlichten Studie konnten wir zeigen, dass zweisprachig aufwachsende Kinder dabei einen Vorteil haben. Ausserdem reicht bereits der Input eines zweiten Dialektes, um die kommunikativen Fähigkeiten von Kleinkindern zu verbessern.

In unserer neusten Publikation erforschten wir, wie Kleinkinder auf Situationen reagieren, in denen sie missverstanden werden. Da bisherige Forschung einen Vorteil zweisprachiger Kinder in anderen kommunikativen Aufgaben gezeigt hat, wurden auch in diese Studie einsowie zweisprachige Kinder aufgenommen. Von besonderem Interesse war dabei, ob sich das Verhalten von Kindern mit zwei sehr ähnlichen Sprachen (oder Dialekten: Schweizerdeutsch und Hochdeutsch) von demjenigen von Kindern unterscheidet, die mit Schweizerdeutsch und einer anderen Sprache aufwachsen.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Fähigkeit der Kinder ein Missverständnis zu erkennen und zu reparieren von der Erfahrung mit solchen Situationen abhängt. Da zweisprachige Kinder im ihrem Alltag häufiger mit Missverständnissen konfrontiert werden - z.B. wenn die falsche Sprache mit einem bestimmten Interaktionspartner gewählt wird - haben sie auch mehr Gelegenheit zu üben. Dies gilt im geringeren Masse auch für Kinder, die mit Schweizerdeutsch und Hochdeutsch aufwachsen, da beispielsweise einige Dialektworte von hochdeutschen Sprechern nicht so einfach verstanden werden. In diesem Sinne erkannten die zweisprachige Dreijährigen in unserer Studie das Missverständnis häufiger als ihre einsprachigen Gleichaltrigen und zeigten zudem adaptive Reparaturstrategien. Währenddessen lag das Reparaturverhalten von Kindern, die mit Schweizerdeutsch und Hochdeutsch aufwuchsen zwischen demjenigen der anderen Sprachgruppen (Abb. 1).

Referenz: Wermelinger, S., Gampe, A., & Daum, M. M. (2017). Bilingual toddlers have advanced abilities to repair communication failure. Journal of Experimental Child Psychology, 155, 84-94. doi:10.1016/j.jecp.2016.11.005

Quelle

Psychologisches Institut der Universität Zürich