VBE-Appell anlässlich der Zeugnisse am Schuljahresende: Auch bei Sechs kein Liebesentzug!

„So schlecht kann ein Schulzeugnis gar nicht ausgefallen sein, dass Eltern ihr Kind dafür mit Liebesentzug bestrafen dürfen“, sagt der Sprecher des Verbandes Bil­dung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg. Selbst eine Sechs in einem Unterrichtsfach rechtfertige es nicht, sich vom eigenen Kind enttäuscht abzuwen­den. Eine solch schlechte Note sei vielmehr ein deutliches Signal, dass es in letzter Zeit wohl innerfamiliäre Kommunikationsprobleme gegeben habe und der Kon­takt nun verstärkt werden müsse.

Jetzt werden die Jahreszeugnisse an die rund 1,2 Millionen Kinder und Jugendlichen an den gut 4000 allgemein bildenden Schulen des Landes ausgegeben. Hinter diesen nüch­ternen Zahlen stehen immer Einzelschicksale. Wenn die Schulberichte und Zeugnisnoten ordentlich ausgefallen sind, motiviert das die Schüler zum Weiterarbeiten. Wenn in dem einen oder anderen Fach aber ein „Man­gelhaft“ oder gar ein „Ungenügend“ im Zeugnisheft stehen, gibt es oft genug Ver­zweiflung, Tränen, Stress und böse Worte.

Zeugnisse dürfen niemals Strafzettel sein

Zeugnisse dürfen nach Auffassung des VBE niemals als „Strafzettel“ und nur bedingt als Denkzettel, eher schon als Nachdenkzettel angesehen werden. Noten spiegeln stets nur einen Teil der Schülerpersönlichkeit wider. Schulversagen hat meist verschiedene Ursachen: Längere Krankheit, Schwierigkeiten im familiären Umfeld oder Schicksals­schläge. Immer wieder kommt es zu einer Überforderung durch den Besuch einer fal­schen Schule. Eine Null Bock-Mentalität und Bequemlichkeit des Schülers sind in etli­chen Fällen auch nicht ganz von der Hand zu weisen. Manchmal tragen die schulischen Rahmenbedingungen mit zum Scheitern bei; kennen doch die meisten Schüler Stütz- und Förderstunden nur noch vom Hörensagen. „Und nicht jede Familie hat“, so der VBE-Sprecher, „die entsprechenden Mittel zur Verfügung, um dem Kind privat teure Nachhilfe nach der Schule zu finanzieren.“

Der VBE appelliert an alle Erziehungsberechtigten, Kinder, die schlechte Noten mit nach Hause bringen, nicht noch zusätzlich zu bestrafen. Nicht die Klassenbesten sind es, die die liebevolle Zuwendung der Eltern jetzt besonders nötig haben, sondern vielmehr die, die sich als die Verlierer fühlen. Vernünftig wäre es, gemeinsam zu überlegen, was man tun kann, damit die schulischen Leistungen im nächsten Jahr wieder besser ausfal­len. Zuweilen hilft sogar das Wiederholen einer Klasse.

Quelle

Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg