Unterschätzte Gefahr in der Schwangerschaft: Cytomegalievirus-Infektionen

Während der Schwangerschaft sind akute Infektionen besonders unangenehm und teilweise auch gefürchtet. Bei bestimmten Virusinfektionen ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind Schaden nehmen kann, stark erhöht. Neben Windpocken und Röteln ist dies die weniger beachtete Infektion mit Cytomegalieviren.

Diese Schwangeren sollten ihren Serostatus kennen

„Seit 2014 wird leitlinienmäßig empfohlen, dass bei allen Schwangeren mit beruflichem oder privatem Kontakt zu Kleinkindern der Serostatus zu Schwangerschaftsbeginn überprüft werden soll“, erklärt Prof. Dr. Klaus Hamprecht vom Konsilarlabor für kongenitale CMV-Infektion am Institut für Medizinische Virologie, Universitätsklinikum Tübingen. Da es jedoch kein von Fachgesellschaften empfohlenes CMV-Screening in der Schwangerschaft gibt, können Gynäkologen ihren Schwangeren die Bestimmung des CMV-Serostatus lediglich als IGeL (individuelle Gesundheitsleistung) anbieten.

CMV-Infektionen: häufigste Ursache von angeborenen Schädigungen

Die Infektion mit den zu den Herpesviren gehörenden Cytomegalieviren (CMV) ist zurzeit die häufigste Ursache von Schädigungen des Kindes während der Schwangerschaft und damit vor Röteln und Toxoplasmose zu nennen. Selbst wenn nach der Geburt erstmal keine Krankheitssymptome vorliegen, gibt es keinen Grund zur Entwarnung, denn etwa 10 bis 15 Prozent der bei Geburt klinisch unauffälligen infizierten Neugeborenen können im Laufe des Kleinkindalters Hörstörungen bis hin zur Taubheit entwickeln. In etwa zehn Prozent der Fälle kommt es zu Symptomen wie Wachstumsverzögerungen, einer Vergrößerung der Leber oder neurologischen Störungen bis hin zu Behinderungen.

In der Harmlosigkeit liegt gleichzeitig die Gefährlichkeit

Infektionen mit Cytomegalieviren bleiben bei gesunden Menschen mit einem intakten Immunsystem meist unentdeckt. Es zeigen sich entweder keine Krankheitszeichen oder es kommt lediglich zu erkältungsähnlichen Symptomen. Es gibt also für Laien kaum „Bilder im Kopf“ dazu, wie beispielsweise bei Masern, Mumps oder Röteln. Das mag ein Grund für den niedrigen Bekanntheitsgrad der Erkrankung und die häufig unterlassenen Vorsorgemaßnahmen in der Schwangerschaft sein.

Fast jede zweite Schwangere ist seronegativ und damit gefährdet

Zu einer Übertragung von Cytomegalieviren auf das Ungeborene kann es kommen, wenn sich die werdende Mutter erstmals in ihrem Leben mit diesen Keimen infiziert. Man geht davon aus, dass in Deutschland etwa die Hälfte der Schwangeren bereits eine CMV-Infektion durchgemacht haben. In ihrem Blut sind Antikörper nachweisbar (seropositiv), ihre Kinder sind kaum gefährdet. Gefährdet sind die Kinder derjenigen Schwangeren, die seronegativ sind und damit noch keine Abwehr gegen die Viren haben. Untersuchungen zeigen, dass sich etwa eine von 400 werdenden Mütter erstmals in ihrem Leben infiziert, was nicht gerade selten ist. In 31 bis 77 Prozent dieser Fälle, u. a. je nach Zeitpunkt der Infektion innerhalb der Schwangerschaft, werden die Viren über die Planzenta auf das Kind übertragen, mit den oben genannten möglichen Folgen.

Wie kann man sich anstecken?

Die Übertragung erfolgt von Mensch zu Mensch über Schmier- und Tröpfcheninfektion durch Körperflüssigkeiten wie Urin, Speichel, Tränenflüssigkeit und Genitalsekret. Die häufigste Infektionsquelle für Schwangere sind Kleinkinder unter drei Jahren, die nach einer – meist unbemerkten – Infektion große Virusmengen ausscheiden. Besonders gefährdet sind daher jene Schwangere, die bereits Kleinkinder im Haus haben. Auch Schwangere, die beruflich intensiven Kontakt zu Kleinkindern haben wie Erzieherinnen, sind gefährdet.

Was tun, wenn der Test negativ ausfällt?

Eine Impfung gegen CMV ist leider noch nicht in Sicht. Schwangere, die noch nie eine CMVInfektion durchgemacht haben, also seronegativ sind, wird empfohlen, bestimmte Hygienemaßnahmen befolgen, um eine Infektion zu verhindern. Eine aktuelle Studie aus Italien zeigt, wie effektiv dies ist: Die Hygienemaßnahme können demnach das Risiko einer CMVErstinfektion in der Schwangerschaft um 50–85 Prozent senken.

Quellen:
1. „Labordiagnostik schwangerschaftsrelevanter Virusinfektionen“, S2k-Leitlinie, AWMF Registernummer 0093/001; Federführende Fachgesellschaften: Deutsche Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten (DVV e.V.) und Gesellschaft für Virologie (GfV e.V.)
2. Buxmann H, Hamprecht K, Meyer-Wittkopf M, Friese K: Zytomegalievirus-Primärinfektion in der Schwangerschaft. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 45–52. DOI: 10.3238/arztebl.2017.0045
3. Konsiliarlabor für Cytomegalievirus (CMV) am Institut für Medizinische Virologie und Epidemiologie der Viruskrankheiten der Universität Tübingen

Quelle

Deutsches Grünes Kreuz