Papa nur am Wochenende - Zur Situation das getrennt lebenden Vaters

Waltraud Walbiner

Steigende Scheidungsraten und die rapide wachsende Zahl außerehelicher Geburten haben dazu geführt, dass etwa die Hälfte aller Kinder zumindest einen Teil ihrer Kindheit mit einem allein erziehenden Elternteil verbringt. Dies ist in der Regel die Mutter. Gleichzeitig nimmt der Anteil der Männer dramatisch ab, welche die Entwicklung ihrer Kinder im Rahmen eines alltäglichen Zusammenlebens kontinuierlich begleiten können. Diese Veränderungen in den strukturellen Rahmenbedingungen der Familie bringen Väter in eine widersprüchliche und als äußerst belastend erlebte Situation: Während aufgrund der gesellschaftlichen Wertvorstellungen heutzutage mehr denn je vom Vater erwartet wird, dass er sich intensiv und umfassend im Leben seiner Kinder engagiert, ist dies für viele Väter in der Alltagsrealität nicht mehr möglich.

So wird der Vater nach einer Elterntrennung häufig in abrupter Weise von wesentlichen Bereichen der Elternschaft ausgeklammert oder sie sind für ihn nur noch in reduzierter Form und unter erschwerten Bedingungen praktikabel. Dies gilt gleichermaßen für die Sorge um kindliche Anliegen, gemeinsame Alltagserfahrungen, Spiel und Unternehmungen wie für die Versorgung und Erziehung des Kindes. Viele Aspekte des Zusammenlebens, die letztlich die Grundlage für gegenseitige Zuneigung, Verständnis und somit die Entwicklung einer Beziehung darstellen, sind deshalb nach der Scheidung nicht mehr oder nur noch rudimentär verfügbar. Obwohl der Vater in der Regel rechtlich weiterhin als gleichberechtigter Elternteil anerkannt wird und das Kind finanziell unterstützt, muss die Wahrnehmung von praktischen Aufgaben der Elternschaft dem engen Rahmen einer Besuchsbeziehung angepasst werden. Zudem wird es nach der Elterntrennung notwendig, ein verändertes Familienkonzept zu etablieren.

Trotz wachsender Scheidungsraten gibt es bislang kein konstruktives Rollenkonzept für den getrennt lebenden Vater, das ihm dabei helfen würde, seine Elternrolle auf befriedigende Weise neu zu definieren. In der Konsequenz ziehen sich viele Väter aus dem Leben ihrer Kinder zurück, weil sie mit ihrem neuen, als unbefriedigend erlebten Status nicht zurechtkommen. Andere versuchen mit juristischen Mitteln „Rechte“ einzufordern, was alleine aber gleichfalls in der Regel kaum dazu beiträgt, eine qualitativ befriedigende Alltagspraxis der Beziehungsgestaltung zu erreichen. Von daher überrascht es nicht, dass eine Scheidung, insbesondere für den getrennt lebenden Vater, zu den bedeutsamsten Stressfaktoren gezählt wird.

Im Folgenden soll auf einige Faktoren hingewiesen werden, die wesentlich dazu beitragen, ob ein Vater auch nach der Elterntrennung seine Elternrolle in befriedigender Weise ausüben kann. Hiermit sollen getrennt lebenden Vätern Anregungen gegeben werden, ihre persönliche Situation kritisch zu hinterfragen und Ansatzpunkte für die Einleitung positiver Veränderungen zu finden. Von zentraler Bedeutung sind hierbei die Anpassung der Eltern an die Scheidung, die Gestaltung der Umgangskontakte und die Leistung von Kindesunterhalt.
 

Im Hintergrund: die Bewältigung der Partnerschaftsproblematik

Von entscheidender Bedeutung dafür, welche Qualität der Beziehung zu seinem Kind ein Vater nach der Elterntrennung herstellen kann, sind zum einen seine persönliche Bewältigung der Trennungserfahrung und zum anderen das weiterhin zwischen den ehemaligen Partnern vorliegende Konfliktniveau. Hierbei finden sich beträchtliche geschlechtsspezifische Unterschiede. Folgende Aspekte können maßgeblich dafür sein, ob der getrennt lebende Vater es schafft, den Übergang in einen neuen Lebensabschnitt erfolgreich zu gestalten:
 

Wie bewerte ich die Ursachen der Elterntrennung?

Während Frauen sich in der Regel schon lange Zeit vorher kognitiv auf eine Trennung vom Partner vorbereitet haben und der Trennungsentschluss mittlerweile überwiegend von ihnen ausgeht, werden eheliche Probleme von Männern häufig langfristig verdrängt und sie sehen sich nicht selten abrupt und angeblich ohne Kenntnis der Ursachen mit dem Ende ihrer Ehe konfrontiert, welches sie in der Folge oftmals nicht wahrhaben wollen. Wenn es dem Vater nicht gelingt, sich nachträglich kognitiv und emotional mit dem Scheitern der Partnerbeziehung auseinanderzusetzen, dieses zu akzeptieren und den eigenen Anteil daran zu erkennen, wird dies langfristig nicht ohne Auswirkungen auf die Ausgestaltung der Vater-Kind-Beziehung bleiben.
 

Welche Ansprüche stelle ich im Hinblick auf die Betreuung des Kindes?

Im Hintergrund der Rechtsprechung im Falle einer Scheidung steht immer noch eine traditionelle Aufteilung der familiären Aufgaben und Pflichten. Daraus folgt, dass nach einer Elterntrennung in der Regel die Mutter primär für die Betreuung der Kinder zuständig ist, während der Vater für ihren finanziellen Unterhalt zu sorgen habe. Auch wenn dies nicht ihren Vorstellungen entspricht, haben Väter von daher häufig nicht den Mut, den Anspruch auf eine erweiterte Betreuung der Kinder zu stellen. Die Betreuungsregelung, d. h. der zeitliche Umfang der Kontakte zwischen Vater und Kind und die hierfür vorgesehenen Zeiträume, wird jedoch nicht ohne Auswirkungen auf die langfristige Beziehungsqualität bleiben. So beklagen sich nicht wenige Väter über die ihnen aufgezwungene Rolle als „Wochenend-Papa“.
 

Welche Erwartungen verknüpfe ich mit einer Scheidung?

Viele Paare, welche die Scheidung mit der Erwartung eingeleitet haben, dadurch einen endgültigen Schlussstrich unter ihre Partnerschaft zu setzen, sehen sich mit der überraschenden Erkenntnis konfrontiert, dass sie sich wegen der Kinder möglicherweise in der Zukunft mehr mit dem Partner absprechen und einigen müssen, als dies während der Ehe der Fall war. So werden in der Ehe nicht selten viele Dinge in stillschweigendem Einverständnis praktiziert, während die Eltern nach der Trennung ihre unterschiedlichen Vorstellungen im Hinblick auf die kindlichen Belange oft mit beträchtlichem Nachdruck vortragen und von daher eine Kompromissfindung erforderlich ist. Manche Väter weichen diesen Auseinandersetzungen aus, woraus jedoch die Gefahr resultiert, dass sie im Hinblick auf ihr Mitspracherecht in den Belangen ihrer Kinder immer mehr ins Abseits geraten. Andere versuchen, ihre Ansichten auf gerichtlichem Weg durchzusetzen, was häufig zu einer weiteren Steigerung des elterlichen Konfliktniveaus führt.

Von wesentlicher Bedeutung im Hinblick auf die zukünftige Qualität der Vater-Kind-Beziehung und eine generelle Entlastung der Kinder ist es deshalb, nicht in dem Bemühen nachzulassen, mit der ehemaligen Partnerin eine gute Kommunikation und eine kooperative Beziehung auf der Elternebene anzustreben. Notwendig ist somit ein verändertes Familienkonzept, wonach die Elterntrennung lediglich einen Bruch der Partnerbeziehung, nicht jedoch eine Auflösung der familiären Beziehungen beinhaltet.
 

Bin ich zufrieden mit meiner aktuellen persönlichen Lebenssituation und wo sehe ich noch Veränderungsbedarf?

Die Zeit unmittelbar nach der Scheidung ist für Väter in der Regel besonders schwierig, da sie oft gleichzeitig mit Veränderungen und Verlusten in verschiedenen Lebensbereichen konfrontiert werden. Sie müssen häufig aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen und ihren Alltag völlig neu organisieren. Infolge von Unterhaltsverpflichtungen reduziert sich ihr finanzieller Spielraum. Der gewohnte alltägliche Kontakt zu Frau und Kindern ist nicht mehr gegeben und auch bei den Beziehungen im Kreis der Verwandten und Freunde findet sich nicht selten unerwartete Ablehnung.

Die Herstellung einer tragfähigen Beziehung zu den Kindern unter erschwerten Rahmenbedingungen zählt zu den größten persönlichen Herausforderungen des getrennt lebenden Vaters, der sich kurz nach dem Auszug häufig ausgesprochen machtlos fühlt. Neben der Erarbeitung einer Kontaktregelung mit der ehemaligen Partnerin muss der Vater eine neue häusliche Umgebung schaffen, die für Besuche der Kinder geeignet ist, er muss Erfahrung in der Gestaltung der Alltagsroutine mit Kindern erwerben und vor allem muss er mit eventuellen anfänglichen emotionalen Problemen der Kinder beim Wechsel zwischen Vater und Mutter angemessen umgehen.

Auch in der Folgezeit ist es wichtig für den getrennt lebenden Vater, im Hinblick auf die Lebenserfahrungen der Kinder und ihre Entwicklungsfortschritte auf dem Laufenden zu bleiben sowie trotz der vergleichsweise selteneren Kontakte und der persönlichen Belastungssituation die emotionale Verbindung zu den Kindern aufrechtzuerhalten. Nicht selten muss darüber hinaus das Kontaktmodell immer wieder mit den Gegebenheiten der Realität abgestimmt werden, da in der Zeit nach der Scheidung vermehrt Veränderungen in den äußeren Rahmenbedingungen auftreten, die beispielsweise durch einen Umzug oder das Eingehen einer neuen Partnerschaft bedingt sind.

Hierbei ist zu beachten, dass insbesondere die ersten beiden Jahre nach der Trennung von besonderer Bedeutung für die Reorganisation der familiären Beziehungen sind. Werden in dieser Zeit in den o. g. Aspekten keine positiven Veränderungen eingeleitet und kein stabiles Betreuungsmodell etabliert, besteht die große Gefahr einer allmählichen Reduzierung oder gar des Abbruchs der Vater-Kind-Kontakte.

Zudem lassen sich aus den Mustern des väterlichen Engagements bei den Kindern vor der Elterntrennung kaum Vorhersagen über das Verhalten des Vaters in der Nachscheidungszeit ableiten. Die langfristige Qualität der Vater-Kind-Beziehung wird somit vorrangig durch Einflussvariable während und nach der Scheidung geprägt. Das bedeutet einerseits, dass Väter mit einer vormals guten Beziehung zu ihren Kindern sich nicht darauf verlassen können, dass dies ohne eigenes Zutun so bleiben wird. Andererseits bekommen Väter, die sich während der Ehe, z. B. infolge beruflicher Belastungen, nicht ausreichend um ihre Kinder kümmern konnten, nach der Trennung eine zweite Chance, ein verbessertes Beziehungsmodell zu etablieren.
 

Die Grundlage einer guten Beziehung: regelmäßige Kontakte

Regelmäßige und verlässliche Umgangskontakte bilden eine wichtige Grundlage für die stabile Beziehung des Kindes zum getrennt lebenden Vater. Zwar zeigen neuere Studien auf, dass in den letzten Jahren insgesamt deutlich häufiger Besuchskontakte durchgeführt werden als in früheren Jahren, was darauf hinweist, dass die Väter von heute sich vermehrt bei ihren Kindern engagieren. Dennoch schränken weiterhin viele Väter nach der Scheidung allmählich ihren Kontakt zu den Kindern ein. Im Folgenden soll dargelegt werden, welche Ursachen dafür maßgeblich sind, und wie hierbei Abhilfe geschaffen werden kann.

Zunächst ist nochmals festzuhalten, dass ein umfassendes Engagement des Vaters in kindlichen Belangen während der Ehe kein Garant für die Aufrechterhaltung einer positiven Vater-Kind-Beziehung in der Zeit nach der Elterntrennung ist. So lassen Väter sich hinsichtlich ihres kindbezogenen Engagements in vier Gruppen aufteilen: Demnach gibt es neben Vätern, die vor und nach der Scheidung kontinuierlich stark oder kaum Anteil am Leben ihrer Kinder nahmen, eine Gruppe von Vätern, die sich erst nach der Elterntrennung umfassend mit ihren Kindern beschäftigten, sei es, weil sie Angst bekommen, nunmehr den Kontakt zu ihren Kindern zu verlieren, sei es, weil ihnen erst jetzt ein freier Zugang zu den Kindern möglich ist, z. B. wenn die Mutter einen überbehütenden Erziehungsstil praktiziert hatte. Eine nicht unbeträchtliche vierte Gruppe umfasst vormals stark engagierte Väter, die sich nach der Scheidung allmählich aus ihrer Elternrolle zurückzogen. Als Gründe nannten diese Väter, sie könnten es nicht ertragen, im Leben ihrer Kinder nur noch wenig Bedeutung zu haben. Andere sagten, der Schmerz sei für sie unerträglich, wenn sie die Kinder nach den als zu kurz erlebten Besuchskontakten zurückgeben müssen. Als besonders frustrierend wurde es empfunden, wenn die ehemalige Partnerin angeblich absichtlich Vater-Kind-Kontakte verhindere.

Persönliche Frustration und Kränkung wegen unbefriedigender Rahmenbedingungen für Besuchskontakte sind zwar verständlich, mit einem Rückzug des Vaters wird jedoch die negative Dynamik verstärkt.

Generell werden die künstlichen und unbequemen Umstände von Besuchsbegegnungen von Vätern häufig als Motiv für eine Reduzierung der Kontakte zu den Kindern genannt. In der Tat beinhalten die Rahmenbedingungen von Umgangskontakten häufig psychische und physische Hindernisse gegenüber der Aufrechthaltung einer natürlichen und befriedigenden Vater-Kind-Beziehung. Da beispielsweise die Beziehungsgestaltung insbesondere mit Kleinkindern stark in der gemeinsamen Durchführung von Alltagstätigkeiten erfolgt, tritt eine deutliche Einschränkung für die Entwicklung von Beziehungsqualität auf, wenn Besuchskontakte nur an den Wochenenden und /oder an öffentlichen Orten erfolgen, die nichts mit den Alltagserfahrungen der Kinder zu tun haben. Dies kann zur Folge haben, dass die Begegnungen längerfristig als unnatürlich und eingeschränkt erlebt werden. Gleiches gilt, wenn man z.B. einen Jugendlichen mit vielfältigen Freizeitinteressen dazu zwingt, ein starres Kontaktmodell einzuhalten. Erschwerend kommt hinzu, dass der Besuchsvater unter diesen Rahmenbedingungen eher dazu tendiert, ausschließlich außergewöhnliche Unternehmungen mit den Kindern durchzuführen und während der kurzen gemeinsamen Zeiten kaum erzieherisch auf das Kind einzuwirken. Viele Väter fühlen sich in der Folge subtil in ihrer Elternrolle degradiert und ziehen sich zurück.

Auch bei ungünstigen Rahmenbedingungen für die Durchführung von Besuchskontakten kann die Beziehungsqualität am besten dadurch gefördert werden, wenn in den Vater-Kind-Begegnungen ein großer Anteil erfreulicher gemeinsamer Alltagserfahrungen enthalten bleibt.

In Übereinstimmung damit konnte in verschiedenen Studien nachgewiesen werden, dass Vater-Kind-Kontakte mit größerer Wahrscheinlichkeit langfristig beibehalten werden, wenn bereits kurz nach der Scheidung ein Umgangsmodell etabliert wurde, das Übernachtungen beim Vater beinhaltet, da hiermit den Kindern für die Begegnungen mit dem Vater ein fester Aufenthaltsort und ein Teil vorhersehbarer Alltagsroutine geboten werden.

Insbesondere die Übernachtung von Kleinkindern beim getrennt lebenden Vater wird jedoch kontrovers diskutiert: Auf der einen Seite besteht gerade in einem frühen Lebensalter des Kindes eine besonders enge Verbindung zwischen der direkten Übernahme von Versorgungsaufgaben und Beziehungsqualität. Auf der anderen Seite wird unter Bezugnahme auf die Bindungsforschung häufig argumentiert, dass bei Kleinkindern eine Trennung von der primären Bindungsperson nur für wenige Stunden empfehlenswert sei. Neuere Untersuchungen zeigen jedoch, dass unter Einhaltung bestimmter Voraussetzungen auch Kleinkinder problemlos bei ihrem Vater übernachten können. Wichtig hierfür ist aber, dass bereits vor der Elterntrennung eine gute Vater-Kind-Beziehung bestand und dass der Vater kompetent in der Versorgung von Kleinkindern ist. Die Kontakte sollten regelmäßig und jeweils am gleichen Aufenthaltsort stattfinden und zwischen den Eltern müssen gewisse Absprachen über die jeweiligen Pflegebelange des Kindes möglich sein.

Übernachtungen des Kindes beim getrennt lebenden Vater sind von nicht zu unterschätzender Bedeutung für die Aufrechterhaltung von Beziehungsqualität. Unter bestimmten Voraussetzungen ist es vorteilhaft, wenn auch bereits Kleinkinder beim Vater schlafen.

Nicht zuletzt nimmt die Regelmäßigkeit von Besuchskontakten im Laufe der Zeit deshalb ab, weil sich die äußeren Rahmenbedingungen verändern. So kann es sein, dass Vater und Kinder neue Interessen und Beziehungen entwickeln sowie Erfahrungen machen, die sie nicht mehr miteinander teilen. Auch der Umzug eines Elternteils kann sich störend auswirken, wenn dadurch eine große räumliche Distanz zwischen den Elternhäusern geschaffen wird. Dies wird verstärkt durch eingeschränkte finanzielle Ressourcen. Mit der Wiederheirat eines Elternteils entstehen gleichfalls häufig völlig neue Gegebenheiten für die Durchführung und Gestaltung von Besuchskontakten. So kann der getrennt lebende Vater sich aufgrund seiner neuen familiären Verpflichtungen eventuell nicht mehr dazu imstande sehen, Besuchskontakte mit seinen Kindern aus erster Ehe im bisherigen Umfang zu praktizieren.

Auch infolge einer Veränderung der äußeren Rahmenbedingungen kann die Durchführung von Besuchskontakten mit der Zeit erschwert werden. Der getrennt lebende Vater sollte rechtzeitig reflektieren, welche Auswirkungen seinerseits geplante Veränderungen auf die Kontaktgestaltung zu seinen Kindern haben können und wie Ausgleich zu schaffen wäre.

Darüber hinaus hat die Qualität der Beziehung zwischen den ehemaligen Partnern, insbesondere das Ausmaß ihrer Kooperation oder Feindseligkeit, auch langfristig wesentlichen Einfluss auf die zuverlässige Praktizierung von Besuchskontakten. Bei einem weiterhin bestehenden hohen partnerschaftlichen Konfliktniveau kann auf Seiten beider Eltern der Wunsch nach einer Reduzierung der Besuchskontakte zunehmen oder sie werden infolge von Auseinandersetzungen über ihre Gestaltung behindert. Nicht zuletzt kann unter diesen Voraussetzungen der potenzielle Nutzen, den das Kind durch die Begegnungen mit dem Vater hat, erheblich reduziert werden. Dies ist dann der Fall, wenn das Kind dadurch in Loyalitätskonflikte verwickelt wird.

Neueren Erkenntnissen zufolge scheint jedoch die Einstellung der Mutter zu Besuchskontakten eine bedeutsamere Rolle für die Durchführung von Vater-Kind-Begegnungen zu spielen als das elterliche Konfliktniveau. Die Mutter als „gate-keeper“ („Türhüter“) entscheidet somit weitgehend darüber, wie sich die Vater-Kind-Beziehung entwickeln kann. Dies gilt im Übrigen gleichermaßen für zusammen wie getrennt lebende Familien.

Der (Wieder-) Aufbau einer kooperativen Elternbeziehung zur ehemaligen Partnerin ist nicht zuletzt deshalb von großer Bedeutung, als sie letztlich in ihrer Rolle als „Gate-keeper“ über die Gestaltung der Vater-Kind-Kontakte bestimmt.

Ein häufig vernachlässigter, da anscheinend als selbstverständlich vorausgesetzter Aspekt für die Aufrechterhaltung regelmäßiger Besuchskontakte ist die Qualität der Vater-Kind-Beziehung. Maßgeblich hierbei sind zwei Bereiche des väterlichen Verhaltens: zum einen ist aktives Vaterverhalten wichtig, das sich in Tätigkeiten, wie Hilfe bei den Hausaufgaben, Teilnahme an gemeinsamen Unternehmungen mit dem Kind, Zuhören, Ratgeben bei kindlichen Problemen oder Grenzsetzung mit Argumenten, die für das Kind nachvollziehbar sind, zeigt. Zum anderen sollte eine emotionale Verbindung zwischen Vater und Kind vorliegen, die von Zuneigung, gegenseitigem Respekt und Identifikation gekennzeichnet ist.

Liegt eine positive Vater-Kind-Beziehung vor, reduziert dies die Möglichkeiten der Mutter, im Übermaß über die Gestaltung der Besuchsbegegnungen Kontrolle auszuüben.

Insgesamt zeigt sich somit, dass der Vater, unter Beachtung der genannten Aspekte, in erheblichem Umfang selbst dazu beitragen kann, dass nach der Scheidung regelmäßige Kontakte zu seinen Kindern aufrecht erhalten bleiben. Klagen und Anschuldigungen gegenüber der Mutter, welche es – angeblich oder tatsächlich – anstrebt, Vater-Kind-Kontakte zu verhindern, sind hingegen wenig hilfreich.
 

Ein häufiger Anlass für Streit: der Kindesunterhalt

In der Forschungsliteratur besteht weitgehende Übereinstimmung dahingehend, dass Mütter und ihre Kinder nach einer Scheidung häufig unter beträchtlichen ökonomischen Belastungen zu leiden haben. Im Folgenden soll dargestellt werden, warum regelmäßige Unterhaltszahlungen des Vaters wichtig für die kindliche Entwicklung sind, welche Gründe dafür verantwortlich sind, dass Väter keinen Unterhalt leisten und in welcher Weise sich die finanzielle Beteiligung des Vaters auf die Eltern-Kind-Beziehung auswirken kann.

Es ist vielfach erwiesen, dass ein regelmäßig vom Vater geleisteter Unterhalt wesentliche Vorteile für die Kinder mit sich bringt, wie positive schulische Leistungen, vermindertes Auftreten von Verhaltensproblemen sowie eine bessere Befindlichkeit der Kinder in verschiedenen Bereichen der Anpassung. Dieser Nutzen für Kinder resultiert nicht nur direkt aus der größeren ökonomischen Sicherheit, die durch verlässliche Unterhaltszahlungen gewährleistet ist und die für das Kind insgesamt einen höheren Lebensstandard ermöglichen. Nicht zu unterschätzen sind darüber hinaus die indirekten Auswirkungen. Wenn die primär betreuende Mutter nicht mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, reduzieren sich ihre persönlichen Belastungen, was sicherlich dem Kind zugute kommt.

Entgegen der gängigen Meinung ist es jedoch nicht nur die fehlende Bereitschaft des geschiedenen Vaters, welche die regelmäßige Leistung von Kindesunterhalt verhindert, sondern es kann hierfür verschiedene Gründe geben:

Einem nicht unbeträchtlichen Anteil von Vätern fehlt es aufgrund ihres niederen Einkommens, d. h. ihrer eingeschränkten finanziellen Kapazitäten, an der Möglichkeit, finanziell angemessen für ihre Kinder zu sorgen.

Zahlreiche Väter weigern sich, aufgrund fortbestehender Probleme auf der Partnerebene ihren finanziellen Verpflichtungen gegenüber den Kindern nachzukommen, weil sie der ehemaligen Partnerin gegenüber feindselig eingestellt sind, die Trennung nicht gewollt haben oder ihre finanziellen Forderungen für unfair halten.

Werden Väter aus ihrer elterlichen Verantwortung weitgehend ausgegrenzt, mindert dies ebenfalls die Motivation zur Leistung ihres finanziellen Beitrags. So zahlen Väter dann mit größerer Wahrscheinlichkeit zuverlässig den Unterhalt, wenn sie weiterhin eine bedeutsame Rolle im Leben ihrer Kinder innehaben, z. B. wenn viele Kontakte stattfinden und wenn ihnen ein Mitspracherecht in wichtigen kindlichen Belangen eingeräumt wird.

Vor diesem Hintergrund findet sich auch ein deutlicher Zusammenhang zwischen Umgangskontakten und der Leistung von Kindesunterhalt. Väter, die ihre Kinder nicht sehen können, fühlen sich ihnen gegenüber möglicherweise weniger verpflichtet, insbesondere, wenn sie die Mutter beschuldigen, den Kontakt zu verhindern. Umgekehrt wird jedoch manchen Vätern der Kontakt mit den Kindern von der Mutter verwehrt, weil sie ihren Unterhaltsverpflichtungen nicht angemessen nachkommen. Es ist von daher nicht immer leicht, hier den Zusammenhang von Ursache und Wirkung aufzuklären.

Auch Eigenschaften der Mutter spielen eine Rolle dabei, ob und wie viel Unterhalt vom Vater geleistet wird. So erhalten ältere Mütter mit höherem Bildungsniveau, in deren Familie vor der Scheidung ein vergleichsweise niedriges partnerschaftliches Konfliktniveau vorlag, in der Regel eher regelmäßige Unterhaltszahlungen vom Vater ihres Kindes. Mit der Wiederheirat der Mutter wird die Leistung von Kindesunterhalt hingegen häufig eingeschränkt.

Auch für die Gewährleistung regelmäßiger, aber auch fairer finanzieller Unterhaltszahlungen im Interesse des Kindes ist es von grundlegender Notwendigkeit, nach einer Trennung Kooperation und Kommunikation auf der Elternebene aufrechtzuerhalten bzw. wiederherzustellen.

Ein Betreuungsmodell, das reguläre, und alltagsbezogene Begegnungen zwischen Vater und Kind erleichtert, das Bemühen, die persönlichen Verletzungen infolge der Trennung angemessen zu bewältigen, das aufrichtige und ernsthafte Bestreben, auch nach der Trennung kindgerechte Kooperation und Austausch mit dem ehemaligen Partner zu pflegen sowie eine faire Regelung der Unterhaltsfragen können somit den Rahmen herstellen, welcher für den getrennten Vater die Aufrechterhaltung einer gleichberechtigten Beziehung zu seinen Kindern ermöglicht. Dies ist von grundlegender Bedeutung dafür, dass alle Familienmitglieder den Übergang der Scheidung in konstruktiver Weise bewältigen können.

Die zunehmende Zahl getrennt lebender Väter, die es trotz aller Schwierigkeiten geschafft hat, nach der Scheidung auch langfristig regelmäßige und beidseits befriedigende Kontakte zu ihren Kindern aufrechtzuerhalten, beweist zudem, dass eine allmählich abnehmende Qualität der Vater-Kind-Beziehung keine zwangsläufige Folge der Elterntrennung ist. Insbesondere die ersten beiden Jahre nach der Scheidung sind hierbei von entscheidender Bedeutung, da in dieser Zeit die Grundlagen für die weitere Gestaltung der familiären Beziehungen geschaffen werden.
 

Literatur

  • Amato, P.R. & Gilbreth, J. ( 1997). Nonresident fathers and children´s well-being: A meta-analysis. Unpublished manuscript, Department of Sociology, University of Nebraska, Lincoln
  • Amato, P.R. & Sobolewski, J.M. (2001). The effects of divorce and marital discord on adult children´s psychological well-being. American Sociological Review, 66, S 900-921
  • Thompson, R.A. & Laible, J. (1999) : Noncustodial Parents. In: M.E. Lamb (Hrsg.). The role of the father in child development. New York: John Wiley & Sons, S 103-123
  • Hetherington, E.M & Kelly, J. (2002). For better or for worse: Divorce reconsidered. New York. Norton

Autorin

Waltraut Walbiner, Diplom-Psychologin, Paar- und Familientherapeutin, langjährige theoretische und praktische Beschäftigung mit Fragen der Scheidung, Gutachterin bei familienrechtlichen Problemstellungen
 

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Erstellt am 20. September 2006, zuletzt geändert am 1. April 2010