Mehrgenerationenhäuser – Angebote für jedes Alter

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Um das Mit- und Füreinander der Generationen in Deutschland zu stärken, hat die Bundesregierung das Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser ins Leben gerufen. In jedem Kreis und in jeder kreisfreien Stadt soll bis zum Jahr 2010 ein Mehrgenerationenhaus entstehen. Die Mehrgenerationenhäuser sind offene Tagestreffpunkte, die von der Zusammenarbeit der verschiedenen Generationen leben. Jeder und jede ist hier willkommen und aufgefordert, sich bei den täglichen Aufgaben im Mehrgenerationenhaus einzubringen.

Inhalt

1.Was sind Mehrgenerationenhäuser?
2.Wie arbeiten Mehrgenerationenhäuser?
3.Was bieten Mehrgenerationenhäuser an?
4.Was leisten Mehrgenerationenhäuser für Familien?
5.Was leisten Mehrgenerationenhäuser für Jugendliche?
6.Was leisten Mehrgenerationenhäuser für Frauen und Männer?

1. Was sind Mehrgenerationenhäuser?

Mehrgenerationenhäuser sind offene Tagestreffpunkte, in denen sich die Generationen wieder selbstverständlich begegnen und sich gegenseitig helfen – ganz wie in der früheren Großfamilie. Denn wo unsere familialen Netzwerke kleiner werden, sollen Mehrgenerationenhäuser Orte sein, wo die gegenseitige Unterstützung von Jung und Alt neu be- und gelebt wird.
Damit wird nicht nur ein Mehrwert für den Einzelnen geschaffen, sondern unsere gesamte Gesellschaft zukunftsfähiger gestaltet. Denn die Mehrgenerationenhäuser überwinden die Isolation der verschiedenen Altersgruppen und unterstützen Toleranz und Verständnis füreinander. Dazu helfen Mehrgenerationenhäuser, Kinder zu fördern, Familien zu beraten, bürgerschaftliches Engagement zu aktivieren, alten Menschen eine Aufgabe zu geben und familiennahe und generationenübergreifende Dienstleistungen zu entwickeln und zu vermitteln.

2. Wie arbeiten Mehrgenerationenhäuser?

In den Mehrgenerationenhäusern helfen sich Junge und Alte auf vielfältige Art und Weise. Wichtig ist dabei, dass bürgerschaftlich Engagierte und professionelle Kräfte auf gleicher Augenhöhe zusammenarbeiten. Nur so kann der Gedanke des Mit- und Füreinander unter einem Dach gelebt werden. In einem zentralen offenen Raum mit Café oder einem Bistro können Menschen der verschiedenen Lebensalter zusammenkommen. Hier ist der Raum, in dem alle Generationen bei der Entwicklung von kleineren und größeren Ideen, Aufgaben und Projekten mit einbezogen werden.
Die Arbeit der Mehrgenerationenhäuser setzt zudem auf strategische Partnerschaften mit anderen Einrichtungen und Institutionen. Das Engagement von Stiftungen und von Unternehmen kann helfen, den Gedanken des Generationenzusammenhalts zu stärken.

3. Was bieten Mehrgenerationenhäuser an?

Die Mehrgenerationenhäuser orientieren sich am örtlichen Bedarf und den unterschiedlichen Bedürfnissen der Generationen. Sie bieten selbst Dienstleistungen an und vermitteln Dienste. Das geht von Kinderbetreuung, über Dienstleistungen rund um Haushalt und Garten bis zu Altenservices.

Konkret könnten es folgende Angebote sein:

  • Ein Café bietet Frühstück, Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen an – offen für Menschen aller Lebensalter. Brett- und Kartenspiele sind im Angebot.
  • Kinder im Alter ab sechs Monaten werden betreut. Für berufstätige Eltern sind besondere Plätze reserviert.
  • Nachtaktiv – demenzkranke Menschen, die oftmals nachts keine Ruhe finden, können in einem Nachtcafé gemeinsam Zeit verbringen.
  • Börse für Dienstleistungen – mit Hilfe von Karteikästen, schwarzem Brett und dem Internet werden beispielsweise Angebote zu handwerklicher Hilfe im Haushalt und Garten angeboten.
  • In der “Seniorenakademie” gibt es für Seniorinnen und Senioren beispielsweise PC-Kurse. Ältere Menschen vermitteln Jugendlichen, was zu ihrer beruflichen Entwicklung beigetragen hat. Jugendliche lernen aus den Biographien der Älteren.

4. Was leisten Mehrgenerationenhäuser für Familien?

Familien müssen in unserer schnellen, globalisierten Zeit immer mehr alleine stemmen. Das Resultat ist, dass Väter und Mütter oft auf wertvolles Miteinander verzichten müssen, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu managen. Mehrgenerationenhäuser wollen da Abhilfe schaffen. Sie bieten familiennahe Leistungen an, die im Alltag entlasten. Familien können hier auf das Wissen und die Erfahrungen der älteren Generation zurückgreifen. In den Häusern werden sie unterstützt durch familienfreundliche Angebote.

Familien, die neu zugezogen sind, kommen bei Kaffe und Kuchen im offenen Treff schnell mit anderen Menschen ins Gespräch. Die Kinder finden bei Spielenachmittagen neue Freunde. So werden unkompliziert Freundschaften geschlossen und gemeinsame Interessen herausgefunden. Jeder neue Anfang ist schwer, aber durch ein Mehrgenerationenhaus kann er vereinfacht werden.

Es gibt viele Familien, die anderen gerne helfen. Hier können sie sich sinnvoll einbringen, zum Beispiel um Familien aus sozial benachteiligten Schichten oder Familien mit Migrationshintergrund zu integrieren. Wichtig für alle Familien wird das Gefühl des Zusammenhalts sein, dass sie spüren werden, wenn etwas gemeinsam auf den Weg gebracht wird.

5. Was leisten Mehrgenerationenhäuser für Jugendliche?

In den Mehrgenerationenhäusern können Jugendliche neue Erfahrungen machen. Sie schlüpfen in die Rolle des Wissensvermittlers. Viele Jugendliche kennen sich weit besser mit den neuen Medien aus als ihre Eltern. Besonders die Großelterngeneration besitzt eine große Hemmschwelle, wenn es um die Arbeit mit Computer und Internet geht. Fachkundige Jugendliche sollen helfen, diese Hemmschwelle abzubauen und ältere Menschen in den neuen Medien zu unterrichten.

Jugendliche können aber auch selbst in den Mehrgenerationenhäusern viel lernen. Sie können die verschiedenen Kurs- und Aktiv-Angebote wahrnehmen oder sich von älteren Menschen bei dem Einstieg ins Berufsleben helfen lassen.
Der Aspekt des Lernens muss nicht zwingend in einer Schüler-Lehrer-Situation stattfinden. Auch bei gemeinsamen Unternehmungen der Generationen setzt der Prozess des Lernens ein. Bei Angeboten wie Theatergruppe, Organisation von Filmabenden und Festen, Biographienforschung oder ähnlichem lernen Jugendliche, mit Älteren zu diskutieren, Kompromisse zu schließen und gemeinsam etwas auf den Weg zu bringen. Jugendliche können auch im Bereich Dienstleistungen in den Mehrgenerationenhäusern aktiv werden; zum Beispiel indem sie Babysitterdienste oder Gartenhilfe anbieten.

6. Was leisten Mehrgenerationenhäuser für Frauen und Männer?

Was leisten Mehrgenerationenhäuser für Frauen?

Für Frauen, Mütter und Großmütter stellt ein Mehrgenerationenhaus in der Kommune eine große Chance dar. Frauen, Mütter und Großmütter tragen in vielen Fällen die Doppelbelastung von Familie und Beruf auf ihren Schultern. In den Mehrgenerationenhäusern können sie vielfältige Hilfen finden, die ihren Alltag erleichtern. Jedes Mehrgenerationenhaus wird Kinderbetreuungsplätze zur Verfügung stellen, die schnell und unbürokratisch nachgefragt werden können. Nachmittags sind die Kinder ebenfalls gut aufgehoben: Nach einer warmen Mahlzeit werden sie bei den Hausaufgaben betreut. Auch Tagesmütter und Leihgroßeltern werden bei Bedarf vermittelt. In vielen Häusern wird es auch Angebote für die Tagespflege bedürftiger Angehöriger geben.

Ein wichtiger Punkt ist der Austausch mit anderen Frauen. Hier wird von vielen Seiten – manchmal auch ganz unvermutet – Beistand, Hilfe und Unterstützung im Alltag zuteil. Die verschiedenen Beratungs- und Qualifizierungsangebote für Frauen stärken Kompetenzen für Job und/ oder Familie. Aber auch viele Kreativ- und Sportangebote laden Frauen und Männer ein, die Mehrgenerationenhäuser zu besuchen.

Was leisten Mehrgenerationenhäuser für Männer?

Auch Männern eröffnet das Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser neue Möglichkeiten. Männer jeden Alters, Familienväter, Witwer, Großväter, Singles oder Männer mit Migrationshintergrund sind hier willkommen: Ob auf der Suche nach einem neuen Job oder nach bürgerschaftlichem Engagement, nach einer Hilfe im Haushalt, einem offenen Ohr.

Die meisten Männer wollen mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen – wertvolle Zeit. Das “Alleinernährermodell” hat seinen Reiz und seine Aktualität verloren. Immer mehr Frauen sind berufstätig, die Männer wollen ihre Frauen dabei unterstützen. Es geht nicht nur um Hilfen im Haushalt und die Pflege der Kinder. Männer wollen auch aktiv am Leben mit ihren Kindern teilnehmen. Die Parole der Gewerkschaften in den 50er Jahren zur Arbeitszeitverkürzung: “Samstags gehört Vati mir!” reicht den Vätern nicht mehr. Nicht nur die Quantität sollte ausgeweitet werden, sondern auch die Qualität. In einem Mehrgenerationenhaus können sie mit ihren Kindern spielen, die Kreativ- und Abenteuerangebote nutzen oder ihnen beim Spielen zusehen.

Überforderte Väter können hier Hilfe und ein offenes Ohr finden. Alleinerziehende und Väter, denen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf über den Kopf gewachsen ist, können durch Gleichgesinnte, aber auch durch die erfahrene ältere Generation Hilfe finden, sich mit ihrer Rolle zu identifizieren.

Links zu ausführlicheren Informationen

Internetseite der Mehrgenerationenhäuser

Eine Liste der bereits bestehenden Mehrgenerationenhäuser finden Sie hier:

Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser: erste Ergebnisse der Wirkungsforschung
 

Quelle

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

 

Erstellt am 12. Dezember 2006, zuletzt geändert am 15. April 2010