Mit Kindern singen

Anregungen zur Liederarbeitung und -gestaltung am Beispiel eines Begrüßungsliedes

Prof. Dr. Julia Lutz
Lutz Julia

Dieser Beitrag thematisiert grundlegende Aspekte zum Singen mit Kindern und bietet am Beispiel eines Begrüßungsliedes vielfältige Anregungen, wie Lieder abwechslungsreich erarbeitet und gestaltet werden können. Im Mittelpunkt steht dabei das Singen in Kindertageseinrichtungen und in Grundschulklassen. Viele Ideen lassen sich auch für kleinere Kindergruppen und für das Singen in der Familie nutzen oder entsprechend variieren.

Kinder singen gerne – zusammen mit anderen Kindern, gemeinsam mit Erwachsenen oder allein, in angeleiteten Situationen oder begleitend zu ihrem Spiel, manchmal auch gedankenverloren. Sie singen bekannte Lieder, sind neugierig auf neue, erfinden eigene Liedvarianten oder neue Melodien und Texte und bringen dabei zum Ausdruck, was sie denken, fühlen, wünschen und wovon sie träumen.

In Kindertageseinrichtungen und Schulen gilt es, die Freude der Kinder am Singen aktiv aufzugreifen und zu stärken und dabei die Familien der Kinder einzubeziehen. Anlässe zum Singen gibt es zahlreiche: Jedes Geburtstagskind freut sich über ein Ständchen, das Frühlingsfest wird mit passenden Liedern musikalisch gestaltet, Advents- und Weihnachtslieder kündigen das bevorstehende Fest an, Tanz-, Bewegungs- und Spiellieder laden zum Mitmachen ein und das Singen von Begrüßungs- und Abschiedsliedern ist ein weit verbreitetes Ritual zum gemeinsamen Beginn und Abschluss eines Tages in der Kinderkrippe, im Kindergarten, in Horten oder in der Schule.

Grundlegende Aspekte: Liedauswahl und Liederarbeitung

Kinder singen gerne Lieder, die sie emotional ansprechen, die sie ganzheitlich erfahren können und die es ermöglichen, zu anderen Kindern Kontakt aufzunehmen. Für die Auswahl von geeigneten Liedern und bei Überlegungen zur Erarbeitung können die folgenden Aspekte hilfreich sein.

Liedauswahl

  • Inhalt und Text: Ist der Inhalt für die Kinder verständlich und greift er ihre Interessen auf? Passt das Lied zur aktuellen Situation oder zur Jahreszeit? Erscheint der Text von den sprachlichen Anforderungen her angemessen?
  • Aufbau und Umfang: Wie viele Strophen umfasst das Lied? Kann die Anzahl ggf. reduziert werden? Wie lang sind die Strophen und der Refrain?
    Es ist möglich, zunächst den Refrain eines Liedes zu lernen und die Strophen entsprechend der Voraussetzungen der Kinder zu ergänzen. Besonders beliebt sind Strophen, die von den Kindern selbst erfunden bzw. ausgewählt werden können.
  • Tonart und Tonlage: Ist das Lied in einer für Kinderstimmen günstigen Tonlage notiert? Die Tonart sollte so gewählt werden, dass die Töne hauptsächlich im Bereich zwischen f1 und d2 liegen und insgesamt in der Tiefe die Töne c1 / d1 nicht unterschritten und in der Höhe e2 / f2 nicht überschritten werden (vgl. Arnold-Joppich 2015, S. 108; Ernst 2008, S. 13; Mohr 2008, S. 9). Kinder, die bereits viel gesungen haben, verfügen über einen größeren Stimmumfang als weniger geübte Kinder. Gegebenenfalls kann das Lied in eine geeignete Tonart transponiert werden.

Julia Lutz Tonleiterausschnitt V2

  • Rhythmus: Welche Ansprüche stellt das Lied an die rhythmischen Fähigkeiten der Kinder? Kommen gleichbleibende oder ähnliche Muster aus Noten- und Pausenwerten vor oder sind die rhythmischen Strukturen vielfältig? Sind rhythmische Besonderheiten festzustellen?
  • Melodie: Wie verläuft die Melodie und welchen Umfang hat sie? Tonwiederholungen und Melodien, die schrittweise oder in kleinen Tonstufen fortschreiten, sind einfacher zu singen als Melodien, die größere Sprünge aufweisen. Günstig ist ein Tonumfang, der nicht wesentlich über eine Oktave hinausgeht. Hat das Lied eine ansprechende Melodie, die gut ins Ohr geht und leicht nachsingbar ist?
  • Ist das Lied insgesamt den stimmlichen Fähigkeiten der Kinder angemessen?
  • Kann jedes Kind mitmachen? Ermöglicht das Lied, Kinder mit unterschiedlichen musikalischen Vorerfahrungen, mit unterschiedlichen Sprachkenntnissen und mit unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen einzubeziehen?
  • Passt das Lied zum Singanlass und zur Kindergruppe?
  • Bietet das Lied den Kindern Raum für neue Erfahrungen?
  • Ist das Lied als Ganzes ansprechend und erscheint es geeignet, um die Kinder zum Singen zu motivieren?

Liederarbeitung

Die folgende Sammlung bietet Anregungen, um das Singen von Liedern vielfältig und abwechslungsreich zu gestalten. Für jedes Lied kann eine passende Auswahl getroffen und durch eigene Ideen sowie spontane Einfälle der Kinder ergänzt werden.

  • Inhaltliche Einstimmung auf das Lied mit einer Geschichte oder mit einem Gedicht, mit Bildern oder mit Gegenständen.
  • Aufwärmübungen für die Stimme zu Beginn des Singens, evtl. integriert in eine kurze Geschichte mit inhaltlichem Bezug zum Lied (Einsinggeschichte / Stimmbildungsgeschichte).
  • Den Text auf verschiedene Weise sprechen: In unterschiedlichem Tempo, in verschiedenen Lautstärken, in verschiedener Intonation und Betonung.
  • Rhythmisches Sprechen des Textes.
  • Verwendung von Merkhilfen für den Text (Bilder, Gesten, Gegenstände, Stichwörter). Meist haben die Kinder passende Ideen für Bewegungen und begleitende Gesten, die aufgegriffen werden können.
  • Darstellung des Melodieverlaufs durch Handzeichen („Luftschrift“); bei älteren Kindern können Melodie und Rhythmus auch anhand einer grafischen Notation visualisiert werden, etwa durch eine Bildnotation oder eine Strichnotation (unterschiedlich lange Striche verdeutlichen die Tondauer, hohe Töne werden oben auf dem Blatt und tiefe Töne unten angeordnet).
  • Vor- und Nachsingen des Liedes in verschiedenen Varianten: verschiedene Gruppen übernehmen unterschiedliche Liedabschnitte, Wechsel zwischen einem Solisten als Vorsänger und der Gruppe zur Wiederholung der vorgesungenen Passage.
  • Begleitung mit Körperinstrumenten (z. B. Klatschen, Patschen, Stampfen, Schnipsen), Rhythmusinstrumenten (z. B. Rasseln, Klanghölzer, Trommeln, Triangeln, Schellenkränze usw.), mit selbst gebauten Instrumenten oder mit Alltagsmaterialien (z. B. Küchenutensilien, Gegenstände aus dem Kinderzimmer oder aus der Schultasche) sowie Naturmaterialien (z. B. Äste oder Baumscheiben).
  • Begleitung mit Stabspielen (Glockenspiel, Xylofon, Metallofon, evtl. ergänzt um Klangbausteine für einzelne Töne) oder mit einem Akkordinstrument (Gitarre, Klavier, Akkordeon).
  • Ausführung von Bewegungen, Gestaltung eines Tanzes.
  • Erarbeitung einer szenischen Gestaltung, evtl. auch mit Kostümen, Masken und Requisiten.

Liedbeispiel: "Willkommen, liebe Leute!"

Vwillkommen2

Abbildung 1 vgl. Broschüre zum „Aktionstag Musik in Bayern“ 2015, S. 16

Mögliche Begleitung: Ostinato, z.B. mit Stabspielen, Boomwhackers

Vwillkommen Spielsatz Viertel Farbe
Abbildung 2
 

Dieses kurze Begrüßungslied von Helmut Maschke mit einem Umfang von vier Takten lässt sich aufgrund seiner eingängigen Melodie und seines einfachen rhythmischen Verlaufs sehr gut mit Kindern erarbeiten. Der Liedtitel kündigt den Inhalt des Textes an und wird gleich zu Beginn der Strophe aufgegriffen. Paarreime erleichtern den Kindern, sich den Text zu merken. Die angebotene Textvariante, in der die Wiederholung des Willkommens-Grußes in Takt 2 durch austauschbare Verben ersetzt wird, fordert zum Ausführen der entsprechenden Aktivität auf. In weiteren Strophen, die Begrüßungsformeln in anderen Sprachen mit kurzen Abschnitten aus dem deutschen Text verbinden, begegnen die Kinder Sprachen aus anderen Ländern. Durch die Mehrsprachigkeit kommt zum Ausdruck: Jeder ist willkommen! Über die angebotenen Strophen mit Passagen in Englisch, Französisch und Spanisch hinaus regt das Lied an, in weiteren Strophen noch mehr Sprachen einzubeziehen – insbesondere jene, welche die mitsingenden Kinder sprechen. Die Melodie ist in vier Abschnitte gegliedert und verläuft jeweils nach dem Auftakt auf unterschiedlichen Tonstufen in gleicher Bewegungsrichtung. Mit einer Viertelnote weist der Auftakt zum letzten Abschnitt im Vergleich zu den übrigen Auftakt-Achteln die doppelte Länge auf. Der Tonumfang des Liedes reicht von c1 bis d2 und liegt innerhalb des für Kinder im Vor- und Grundschulalter geeigneten Tonraums (vgl. Arnold-Joppich 2015, S. 108; Ernst 2008, S. 13; Mohr 2008, S. 9).

Das Lied kann mit Akkorden auf den drei Hauptstufen in F-Dur begleitet werden (I. Stufe: F-Dur, IV. Stufe: B-Dur, V. Stufe: C-Dur). Die Harmonien wechseln halbtaktig und das Harmonieschema der Takte 1 und 2 wiederholt sich in Takt 3 und 4. Auf dieser Grundlage basiert das zweitaktige Begleit-Ostinato (siehe Notentext / Abbildung 2) als sich wiederholendes Muster, das mit Stabspielen und Boomwhackers musiziert werden kann.

Hier geht es zum Hörbeispiel des Liedes auf der Homepage der Bayerischen Landeskoordinierungsstelle Musik.

Bausteine zum Kennenlernen und Gestalten des Liedes

Die folgenden Anregungen verstehen sich als Bausteine zu einer variativen Arbeit mit dem Begrüßungslied. Je nach Voraussetzungen der Kinder und Rahmen der Musiziersituation können die Bausteine flexibel ausgewählt und kombiniert werden und regen darüber hinaus zum Variieren und Ergänzen an. Einige Bausteine lassen sich auch auf andere Lieder übertragen.

Zur Einstimmung und zum Kennenlernen des Liedes

  • Einsinggeschichte zur Aktivierung von Körper und Stimme in Verbindung mit einer inhaltlichen Hinführung zum Lied:

Die Bezugsperson (Elternteil, Kita-Fachkraft oder Lehrkraft) erzählt die folgende Geschichte und macht die jeweilige Übung vor, die Kinder imitieren diese in einer angemessenen Zahl an Wiederholungen. Als inhaltlicher Rahmen wird ein passender Anlass gewählt, bei dem es etwas zu feiern gibt und mehrere Personen sich begrüßen, z. B. eine Geburtstagsfeier, ein Besuch der Großeltern, ein Fest in der Kindertageseinrichtung.

Erzählung Aktivitäten Ziele

Ein großes Fest steht bevor: … [einen passenden Anlass nennen]. Damit die Feier gelingt und für alle zu einem unvergesslichen Erlebnis wird, gibt es einiges vorzubereiten:
Die Wohnung / Kita / Das Schulhaus [entsprechendes Gebäude nennen] muss geputzt werden:
 

   

Wir fegen den Boden.

rhythmische Fege-Bewegung mit imaginärem Besen ausführen, dazu „sch-sch-sch“ mit Zwerchfellimpulsen sprechen

Körperaktivierung und -lockerung

 

Zwerchfellaktivierung
 

Wir putzen die Fenster.

imaginär ein Fenster putzen, sich dabei groß machen und auf die Zehenspitzen stellen

Körperaktivierung

Wir blasen den Staub von den Lampen, von den Schränken, von den Tischen … [weitere Möbelstücke ergänzen].

lange und gleichmäßig aus-atmen auf „ffffff“

gleichmäßige Ausatmung

Jetzt klopfen wir uns den Staub aus den Kleidern.

mit lockeren Klopfbewegungen die einzelnen Körperteile abklopfen: Arme, Schultern, Brustkorb, Bauch, Beine

Körperlockerung

„Ooooh! Aaaah!“ Alles ist ganz sauber und glänzt in der Sonne.

mehrere Ausrufe mit langgezogenen Vokalen

Aktivierung der Stimme, Resonanz durch Vokale

Ein Festessen darf natürlich nicht fehlen! Wir schneiden Gemüse für die Suppe: Karotten, Kartoffeln, Lauch, … „klack-klack-klack …“.

schnelles Sprechen mit deutlicher Artikulation

Artikulation, Lockerung der Zunge

Das wird eine wunderbare Gemüsesuppe, und sie riecht schon so gut!
Atmet den Duft genüsslich ein!
 


genussvoll einatmen, lange und gleichmäßig ausatmen
 

Tiefatmung

Die Suppe ist fertig, jetzt bereiten wir eine Zitronencrème vor.
Dazu brauchen wir Zitronensaft. Pur schmeckt er ziemlich sauer – „Uiiiii!“.


„Uiiiii!“ als Ausruf in hoher Tonlage mehrmals wiederholen
 


Aktivierung der Kopfstimme
 

Die Zitronencrème ist bestens gelungen, sie schmeckt köstlich! Ihr probiert einen großen Löffel und genießt den vorzüglichen Geschmack. „Mmmmm!“

Essen der Zitronencrème imitieren; „Mmmmm“ möglichst stimmhaft und genussvoll mehrmals sprechen

Lockerung von Mund, Lippen und Zunge;
Förderung der Resonanz durch Klinger
 

Jetzt wird es langsam Zeit, dass die Gäste kommen! Ihr wartet sehnsüchtig, könnt es kaum erwarten und geht schon mal vor die Türe. Von Weitem seht ihr den Besuch, winkt ihm zu und ruft „Haaallooo!“

 


mehrmaliges Rufen; Rufterz als Intervall; der Anfangston wird bei jedem Ruf einen Ton höher gesungen
 

 


melodisches Hören entwickeln;
das Melodiegedächtnis schulen
 

Als die Gäste etwas näher gekommen sind, ruft ihr gleich nochmals: „Hallo, hallo, hallo!“


4. Abschnitt des Liedes (Takt 4 mit Auftakt) vor- und nachsingen
 


Kennenlernen und Nachsingen eines Abschnitts aus dem Lied
 

Endlich sind die Gäste bei euch, ihr gebt ihnen zum Empfang die Hand und begrüßt sie mit einem Lied: „Willkommen, liebe Leute …“.

Vorsingen der ersten Strophe des Liedes
 

Überleitung zum Kennenlernen und Singen des Liedes
 

 

  • Mehrmaliges Vorsingen des Liedes, dabei
    • bewegen sich die Kinder frei im Raum und winken sich bei „Hallo …“ (4.Abschnitt, Takt 4) zu;
    • bewegen sich die Kinder im Raum und suchen sich einen Partner, dem sie bei „Hallo …“ die Hand geben;
    • führen die Kinder beim Singen der Textvariante (2. Zeile) die genannte Aktivität aus;
    • gehen die Kinder durch den Raum oder klatschen leise (mit zwei Fingern), jeweils im Grundschlag.

Zur Erarbeitung des Liedes

Je nach Lied und Voraussetzungen der Kinder bieten sich unterschiedliche Möglichkeiten an, um Text, Melodie und Rhythmus zu erarbeiten.
Anregungen zum Liedbeispiel „Willkommen, liebe Leute!“:

  • Rhythmisches Sprechen von ein- oder zweitaktigen Textabschnitten: Vor- und Nachsprechen, Gruppen sprechen im Wechsel.
  • Rhythmisches Sprechen, wobei einzelne Wörter ausgelassen und von den Kindern ergänzt werden (zunächst Reimwörter, später auch andere Wörter weglassen).
  • Rhythmisches Sprechen mit selbst erfundenen Gesten oder Bewegungen, die den Inhalt des Textes verdeutlichen, z. B. Händeschütteln bei „Willkommen“ in Takt 1 mit der rechten Hand, in Takt 2 mit der linken Hand, bei „froh“ in Takt 3 beide Hände nach oben strecken, bei „Hallo“ in Takt 4 winken, evtl. mit der rechten und linken Hand im Wechsel. Bei vielen Liedern können anstelle von Gesten und Bewegungen auch Bilder zur Visualisierung des Inhalts verwendet werden.
  • Bei Strophen mit nicht deutschem Text können Kinder, welche die jeweilige Sprache als Muttersprache haben, als „Experten“ die Rolle des Vorsprechers übernehmen. Die oben genannten Anregungen lassen sich auch in Verbindung mit dem fremdsprachigen Text ausführen.
  • Verdeutlichen des Melodieverlaufs durch Luftschrift: Durch Handbewegungen wird der relative Verlauf der Tonhöhe angezeigt – tiefe Töne unten, hohe Töne oben; auch Sprünge, lineare und wellenförmige Bewegungen können visualisiert werden.
    Variante: Grafische Darstellung der Tonhöhenbewegung in Verbindung mit der Tondauer durch Striche in entsprechender Länge. Grafische Notationsformen je eines Taktes auf Karten werden von den Kindern dem jeweils gesungenen Abschnitt zugeordnet.
  • Rhythmisches Vor- und Nachsingen von ein- oder zweitaktigen Melodieabschnitten auf Tonsilben, z. B. „no“ oder „du“.
  • Rhythmische Begleitung mit Bodypercussion, wobei jeder Notenwert durch einen anderen Körperklang dargestellt wird. Beispiele: Patschen auf die Oberschenkel bei Achtelnoten, Stampfen bei Viertelnoten.

Das separate Einüben von Text, Melodie und Rhythmus kann manchmal hilfreich und vorteilhaft sein – etwa die Konzentration auf die Melodie, wenn schwierige Tonsprünge vorkommen, oder das gezielte Einüben rhythmisch komplexer Passagen –, ist jedoch der Verbindung von zwei oder drei Parametern nicht grundsätzlich vorzuziehen.

Um in einer Gruppe möglichst viele Kinder anzusprechen und verschiedenen Lerntypen gerecht zu werden, sollten unterschiedliche Vorgehensweisen der Erarbeitung berücksichtigt werden, darunter der Einsatz von Bewegungen, um den kinästhetischen und ggf. den taktilen Sinn anzusprechen, die Arbeit mit Bildern und grafischen Darstellungen für visuell orientierte Lerner sowie Ansätze, bei denen das Hören im Mittelpunkt steht. Über das mehrfache Wiederholen der einzelnen Strophen mit Varianten in Tempo, Lautstärke und Stimmung bzw. Ausdruck erlernen und verinnerlichen die Kinder das Lied und singen es auch nach einer Vielzahl an Wiederho-lungen noch mit Begeisterung.

Zur Ausgestaltung des Liedes

Die Verbindung des Singens mit Bewegungen und Gesten, verschiedene Formen der Begleitung und Strophen in unterschiedlichen Sprachen laden dazu ein, das Lied in vielfältiger – und beim mehrmaligen Singen in immer wieder neuer – Art und Weise zu gestalten. Besondere Motivation schafft die Gelegenheit, das Lied im Rahmen einer kleinen Aufführung anderen Kinder, Eltern und Geschwistern zu präsentieren.

  • Gestaltung mit Gesten oder Bewegungen:
    Die möglicherweise bereits in Verbindung mit dem Kennenlernen des Liedes ausgeführten Gesten können aufgegriffen und ggf. variiert oder ergänzt werden. Vorschläge für verschiedene Bewegungsformen bietet die Alternativvariante des Textes in deutscher Sprache. Freies Bewegen am Platz oder im Raum sowie das gemeinsame Festlegen einer Folge an Bewegungen – z. B. Schritte im Kreis, Drehungen, usw. – ermöglichen den Kindern, eigene Bewegungsformen umzusetzen.
  • Begleitung mit Bodypercussion:
    Klatschen, Patschen, Stampfen, Schnipsen – mit Körperklängen lassen sich Begleitformen ganz unterschiedlicher Komplexität gestalten. Einfache Begleitformen folgen dem Grundschlag in Viertelnoten, wobei für jeden Takt eine gleichbleibende Folge aus vier unterschiedlichen Körperklängen festgelegt oder in taktweisem Wechsel verschiedene Körperklänge ausgeführt werden können. Anspruchsvollere Begleitmuster entstehen durch die Kombination unterschiedlicher Noten- und evtl. Pausenwerte.
  • Begleitung mit Stabspielen oder Boomwhackers:
    Das Ostinato zur Begleitung (siehe Abbildung 2) kann auf Stabspielen – Xylofon, Metallofon, Glockenspiel oder Klangbausteinen – oder mit Boomwhackers gespielt werden. Für die Bassstimme (untere Begleitstimme) bieten sich Bassxylofon, Bassmetallofon oder Bass-klangbausteine an, bei der Arbeit mit Boomwhackers können Bassröhren oder Oktavkappen (octavator caps) zum Einsatz kommen. Das Ostinato beginnt volltaktig, also erst auf die zweite gesungene Silbe „kom“, und erklingt pro Strophe zwei Mal.
  • Singen in verschiedenen Sprachen:
    In den Strophen mit Textteilen in verschiedenen Sprachen kommt der Wechsel zwischen deutschem und englischem, französischem bzw. spanischem Text besonders gut zur Geltung, wenn eine Gruppe die Passagen in deutscher Sprache und eine andere Gruppe die Abschnitte in der anderen Sprache übernimmt. Der jeweils letzte Abschnitt (Takt 4) kann von beiden Gruppen gemeinsam gesungen werden. Kinder anderer Nationalitäten helfen gerne beim Einüben weiterer Strophen mit Begrüßungsformeln in ihrer Muttersprache, und beim Singen geben sie ein klingendes Vorbild für die richtige Aussprache.

Vielleicht kann dieses Lied ein Beitrag sein, um sprachliche Grenzen zu überwinden – durch das Singen in anderen Sprachen und noch mehr durch das gemeinsame Musikmachen, bei dem die Musik als für alle verständliche Sprache genutzt wird.

Literatur

  • Arnold-Joppich, H. u. a. (Hrsg.) (2011). Singen in der Grundschule. Ein Lehr- und Übungsbuch für die Praxis. Rum / Innsbruck u. a.: Helbling.
  • Arnold-Joppich, H. (2015). Umgang mit der Kinderstimme – „Stimm-Bildung“. In M. Fuchs (Hrsg.), Musikdidaktik Grundschule. Theoretische Grundlagen und Praxisvorschläge (S. 106-119). Rum / Innsbruck u. a.: Helbling.
  • Brünger, P. (2008). Singen im Kindergarten. In A. Lehmann-Wermser & A. Niessen (Hrsg.), Aspekte des Singens. Ein Studienbuch (S. 65-77). Augsburg: Wißner.
  • Busch, B. & Müller, S. (Hrsg.) (2015). Im Kita-Alltag singen. Konzeption der Fortbildung PrimacantaKita für pädagogische Fachkräfte. Rum / Innsbruck u. a.: Helbling.
  • Ernst, M. (2008). Praxis Singen mit Kindern. Lieder vermitteln, begleiten, dirigieren. Rum / Innsbruck u. a.: Helbling.
  • Fuchs, M. (2015). Singen im Musikunterricht. In M. Fuchs (Hrsg.), Musikdidaktik Grundschule. Theoretische Grundlagen und Praxisvorschläge (S. 120-141). Rum / Innsbruck u. a.: Helbling.
  • Keller, R. (2015). Singen – Ganzheitliches Fördern. In: M. D. Loritz & C. Schott (Hrsg.), Musik – Didaktik für die Grundschule (S. 91-105). Berlin: Cornelsen.
  • Mohr, A. (2008). Lieder, Spiele, Kanons. Stimmbildung in Kindergarten und Grundschule. Mainz u. a.: Schott.
  • Pachner, R. (2015). Praxis des Singens. In: In: M. D. Loritz & C. Schott (Hrsg.), Musik – Didaktik für die Grundschule (S. 82-91). Berlin: Cornelsen.
  • Stiftung „Singen mit Kindern“ (Hrsg.) (2010). Singen im Kindergarten: Handbuch. 111 Lieder mit Gestaltungsideen zum Singen, Spielen, Bewegen. Rum / Innsbruck u. a.: Helbling.
  • Wieblitz, C. (2007). Lebendiger Kinderchor. kreativ – spielerisch – tänzerisch. Anregungen und Modelle. Boppard am Rhein: Fidula.

Autorin

Dr. Julia Lutz ist Juniorprofessorin für Musikpädagogik / Musikdidaktik mit Schwerpunkt Grundschule an der Folkwang Universität der Künste Essen und Lehrbeauftragte am Institut für Musikpädagogik der Ludwig-Maximilians-Universität München.


eingestellt am 07. September 2016