Vaterschaft im Wandel? Eine Bestandsaufnahme von Verhalten und Einstellung von Vätern

Dr. Mariam Irene Tazi-Preve

Ein kurzer historischer Abriss zeigt das Gegensatzpaar Mutter- und Vaterschaft als praktische, alltagsbezogene und emotionale Erfahrung zwischen Mutter und Kind einerseits und andererseits als symbolische Auffassung des väterlichen Prinzips von Ordnung, Gesetz und Außenwelt.

Für eine Bestandsaufnahme zur Vaterschaft gehen wir in unserer Untersuchung von Daten des Population Policy Acceptance Survey aus. Zur Analyse wählen wir die Bereiche reproduktive Arbeit, männliches Selbstbild und Vaterförderung. Unsere deskriptive Darstellung liefert zum einen Hinweise darauf, dass auf der Verhaltensebene bezüglich der Aufteilung von Kinderbetreuung und Hausarbeit kaum ein Wandel festzustellen ist. Männer arbeiten tatsächlich selten unbezahlt. Dennoch belegen unsere Daten den auf den ersten Blick überraschenden Befund, dass die Ungleichverteilung der Familienarbeit von der Hälfte der Frauen nicht als Verletzung ihrer Ansprüche erachtet wird.

Die These, dass der „neue Vater“ viel eher ein Produkt der Medien sei als es den tatsächlichen Verhältnissen entspricht, lässt sich auf der Verhaltens-, jedoch weniger auf der Einstellungsebene belegen. Das männliche Selbstbild wird zunehmend hinterfragt, wenn sowohl Männer wie auch Frauen zu einem beträchtlichen Teil die berufsbedingte Abwesenheit des Vaters in der Familie beklagen. Traditionelle Modelle der Aufgabenverteilung innerhalb der Partnerschaft erlangen zudem nach Ansicht der Befragten größeren Verhandlungsspielraum. Väter in Karenz sind für Männer und für Frauen weitgehend vorstellbar, aber nicht realisierbar. Es kann zudem konstatiert werden, dass sich die Erwartungshaltung der Frauen an die Männer rasch verändert.

Auf das Fernbleiben der Männer von der Familienarbeit reagiert der Staat mit verschiedenen Appellen. Was dessen Rolle und Effizienz betrifft, so ist das Vertrauen der Frauen in die staatliche „Väterförderung“ relativ groß. In der Realität übernehmen aber Mütter im Verbund mit dem Staat zunehmend die Aufgaben des Vaters.Vater Staat ersetzt also eher väterliche Aufgaben, als dass es gelingt, mittels familienpolitischer Maßnahmen väterliches Engagement einzufordern.

Den vollständigen Fachbeitrag "Vaterschaft im Wandel?" finden Sie hier.

Autorin

Mag. Dr. Irene M.Tazi-Preve

E-Mail

Quelle

Der Beitrag ist erschienen in dem Sammelband “Familienforschung in Österreich: Markierungen – Ergebnisse – Perspektiven” des Österreichischen Instituts für Familienforschung (Hrsg. Brigitte Cizek, Schriftenreihe des ÖIF Nr. 12, Wien, 2004)

Abdruck mit freundlicher Genehmigung

 

Erstellt am 16. Dezember 2005, zuletzt geändert am 31. Juli 2013