Vorbereitung und Gestaltung eines Krankenhausaufenthalts

Elisabeth Yu

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Ihr Kind ist krank – Überlegungen im Vorfeld

Ihr Kind ist krank und es steht ein größerer Eingriff bzw. intensivere Untersuchungen bevor, die einen Krankenhausaufenthalt nötig machen. Je nach Erkrankung und Ihrem Wohnort, bieten sich vielleicht Alternativen an. Fragen Sie Ihren Arzt, ob der Eingriff auch genauso gut ambulant durchgeführt werden kann. Das würde Ihrem Kind ermöglichen, in seiner vertrauten Umgebung zu genesen. Wenn ein stationärer Aufenthalt unumgänglich ist, stellt sich die Frage: Welches Krankenhaus ist das richtige für mein Kind? Wählen Sie, wenn irgendwie möglich, ein Kinderkrankenhaus oder eine Klinik mit einer pädiatrischen Abteilung aus. Diese bieten medizinisch und pflegerisch die besten Voraussetzungen zur Behandlung von Kindern.

Keine Angst vor dem Papierkrieg – Unterlagen bereit halten

Legen Sie sich eine Mappe an, in der Sie alle wichtigen Unterlagen sammeln, um sie griffbereit zu haben, wenn Sie sie benötigen. Unterlagen zu Vorerkrankungen und Untersuchungsergebnisse, Impfpass und Versicherungsunterlagen sowie Einweisungsschein gehören auf jeden Fall dazu. Erkundigen Sie sich im Vorfeld bei Ihrer Krankenkasse nach Kostenübernahme, Fahrtkostenzuschüssen oder Erstattung von Verdienstausfällen, wenn Sie unbezahlten Urlaub nehmen müssen.

„Rooming in“ – bleiben Sie bei Ihrem Kind

Informieren Sie sich schon im Vorfeld über die Mit-Aufnahme eines Elternteils, eines sogenannten „Rooming-in“ in der Klinik und über die Möglichkeit der Unterstützung durch eine Haushaltshilfe, falls noch ein weiteres Kind (oder Kinder) versorgt werden müssen. Für das „Rooming-in“ im Krankenhaus muss für die Krankenkasse eine medizinische Notwendigkeit vorliegen, die ein Arzt bestätigen muss. Bei Kindern bis zum neunten Lebensjahr ist bei einer stationären Aufnahme die medizinische Notwendigkeit sowieso schon gegeben. In bestimmten Fällen auch noch bei älteren Kindern.

Sie können Hilfe gut gebrauchen – Unterstützung organisieren

Ihr Kind spürt, wenn Sie unruhig und gestresst sind und übernimmt Ihre Anspannung. Überlegen Sie sich im Vorfeld, wo Sie sich selbst Unterstützung holen können, um mehr Zeit für Ihr krankes Kind zu haben. Großeltern, Freunde oder auch professionelle Einrichtungen können Sie eventuell partiell entlasten, zum Beispiel, wenn Geschwister versorgt werden müssen. Nehmen Sie Hilfe in Anspruch, machen Sie möglichst konkrete Abmachungen mit Ihren Helfern. Vermeiden Sie unnötigen, zusätzlichen Stress und Hektik, zum Beispiel bei der Anreise. Großzügige Zeitpuffer einzuplanen, lohnt sich.

Ausnahmesituationen – erfordern Nachsicht

Die Sorgen und Ängste wegen des Krankenhausaufenthalts wirken sich auf die ganze Familie aus. Abläufe, die sonst wie am Schnürchen klappen, kommen ins Stocken, Familienmitglieder sind angespannt, auch wenn das vielleicht nicht offensichtlich ist und reagieren eventuell etwas dünnhäutig. Dass es da auch mal Knatsch geben kann, ist ganz normal. Seien Sie nachsichtig und weniger streng als sonst, vor allem mit sich selbst.

Klinikalltag – rechnen Sie mit Wartezeiten

Krankenhäuser sind komplexe Einrichtungen mit einem hohen Organisations- und Verwaltungsaufwand. Rechnen Sie mit Wartezeiten und Verzögerungen und bereiten Sie sich darauf vor. Gestalten Sie sich die Wartezeiten mit Ihrem Kind so angenehm wie möglich. Bilderbücher, etwas zum Knabbern und eine Thermosflasche Tee sind kleine, aber wirkungsvolle Helfer und können etwas Anspannung nehmen und ablenken. Legen Sie sich auf keinen Fall knapp berechnete Termine rund um Untersuchungen in der Klinik. Der Stress wäre vorprogrammiert.

Menschen im Krankenhaus – sprechen Sie mit Schwestern und Pflegern

Während der Krankenhausaufenthalt Ihres Kindes für Sie eine Ausnahmesituation darstellt, gehen Ärzte und Pfleger ihrer täglichen Arbeit nach, die bestimmten Abläufen folgt. Das Personal wird Ihre Anwesenheit und die Unterstützung in der Versorgung Ihres Kindes sehr willkommen heißen. Sprechen Sie mit den Schwestern und informieren Sie sie über Vorlieben und Eigenheiten Ihres Kindes. Fragen Sie, wann jemand Zeit für Sie hat, nehmen Sie Rücksicht auf organisatorische Gegebenheiten und bringen Sie Geduld mit. Falls Ihr Kind schon alleine bleiben kann, informieren Sie das Personal, wann Sie im Krankenhaus anwesend sind und selbst die Versorgung Ihres Kindes übernehmen können.

Arztgespräche – Gedächtnisstützen nicht vergessen

In die Mappe mit Ihren Unterlagen fürs Krankenhaus gehört auch eine Liste, auf der Sie Themen für das Arztgespräch notieren. Schreiben Sie Fragen an Ihre Ärzte sofort auf, wenn Sie Ihnen einfallen. Erfahrungsgemäß vergisst man sonst die Hälfte dessen, was einem wichtig war. Gespräche mit Ärzten finden (leider) oft unter einem gewissen Zeitdruck statt. Ihr Merkzettel als Gedächtnisstütze wird Ihnen helfen, trotz Anspannung nichts zu vergessen. Achten Sie beim Arztgespräch darauf, dass sich Ihr Kind nicht ausgeschlossen fühlt, weil sie „über“ es sprechen. Erwägen Sie, manche Gespräche mit dem Arzt bewusst ohne Ihr Kind zu führen.

Zuversicht und Ehrlichkeit geben Halt – auch bei Schmerzen

Nicht alle Untersuchungen im Krankenhaus können völlig schmerzfrei durchgeführt werden. Versuchen Sie nicht, Ihr Kind auszutricksen und hinters Licht zu führen oder zu versprechen: „Das tut gar nicht weh!“ Kinder spüren, wenn Erwachsene nicht aufrichtig sind und verlieren das Vertrauen.

Nehmen Sie Ihr Kind, wenn es möchte und wenn es möglich ist, auf den Schoß, bieten Sie körperliche Nähe und Trost an und geben Sie Ihrem Kind das Gefühl, für es da zu sein. Auch wenn Ihr Kind weint, schreit oder sogar tobt: Schimpfen Sie nicht, bleiben Sie ruhig und helfen Sie Ihrem Kind, sich wieder zu beruhigen.

Das Krankenzimmer – vertraute Dinge machen es ein bisschen heimelig

Das geliebte Kuscheltier, eine vertraute Decke, Malsachen und einige Spielsachen sollten auf jeden Fall mit ins Krankenhaus. Verzichten Sie aber auf sehr komplizierte Spiele und grundsätzlich auf zu viele Sachen. Oft wird Ihr Kind viel schlafen und müde sein. Es hat viele Eindrücke zu verarbeiten und kann sich gerade in den ersten Tagen nach einer Operation nicht auf Spielregeln konzentrieren. Wenn es Ihrem Kind besser geht, wird es auch wieder Wünsche äußern, sich selbst durch Spielen ablenken und Sie können ihm weitere Spielsachen oder Bücher ins Krankenhaus mitbringen.

Ihr Kind wird den Stress verarbeiten ­– auf seine eigene Weise

Unter Stress verfallen Kinder oft in alte, eigentlich schon abgelegte Verhaltensweisen. Dies sollte Sie nicht beunruhigen, denn in den meisten Fällen gibt sich das von selber wieder. Falls Sie aber das Gefühl haben, dass gravierendere Probleme auftauchen, sprechen Sie mit einem Arzt/einer Ärztin darüber.

Da sein – verlässlich sein

Je nach Alter eines Kindes sollte eine enge Bezugsperson während des gesamten Krankenhausaufenthalts ständig vor Ort sein. Kinder im Vorschulalter sollten auf jeden Fall begleitet werden. Meist erstatten die Krankenkassen die Aufnahme eines Elternteils, ein sogenanntes „Rooming-in“ bis zum Alter von 9 Jahren oder auch bei älteren Kindern, wenn besondere Umstände vorliegen. Wenn Ihr Kind schon ohne Bezugsperson bleiben kann, sollten Sie es dennoch so oft wie möglich besuchen. Informieren Sie Ihr Kind und das Personal, wann Sie kommen, versprechen Sie nicht zu viel und seien Sie pünktlich und zuverlässig.

Bilderbücher ­– ideale Vorbereitung aufs Krankenhaus

Bilderbücher sind eine gute Möglichkeit, bereits im Vorfeld die Beschäftigung des Kindes mit dem Thema Krankheit und Krankenhaus zu fördern. Dabei lernt das Kind, dass es Menschen gibt, die anderen helfen, wieder gesund zu werden und dass auch andere Kinder, Erwachsene und Tiere krank werden können. Eine positive Haltung gegenüber dem Krankenhaus und dem dortigen Personal und die Zuversicht auf Genesung können durch Bilderbücher gestärkt werden. Je nach Alter und Interesse des Kindes bieten sich unterschiedliche Bücher an. Sachlich orientierte, informative Bücher oder Bilderbuchgeschichten, die das Kranksein auf unterschiedliche Weise thematisieren.

Kindgemäße Informationen – können Ängste nehmen

Stellen Sie sich vor, wie ein Krankenhaus auf ein kleines Kind wirkt. Lange Gänge, fremde Gerüche und viele unbekannte Menschen. Mama ist angespannt. Im Röntgenraum ist es duster, es gibt keine Fenster und große, graue Geräte mit Kabeln hängen von der Decke. Man muss sich auf eine kalte Liege legen und still halten. Ganz schön unheimlich. Umso wichtiger, spielerisch informiert werden: Röntgen, Ultraschall oder MRT lassen sich kindgemäß erklären und verlieren ihren Schrecken, wenn sich ein Kind auf einen „überdimensionalen Fotoapparat“, „kalten Glibber auf dem Bauch“ oder „Krach in einer Röhre“ einstellen kann und weiß, für was das alles gut ist.

Literatur

  • “Was passiert im Krankenhaus?” von Marion Kreimeyer-Visse und Andrea Erne, Ravensburger Verlag für Kinder zwischen 4-7 Jahren
  • Die Sachbuch-Serie „Wieso? Weshalb? Warum?“ erklärt Kindern unterschiedliche Lebensbereiche, so zum Beispiel ein Krankenhaus. Das großformatige Bilderbuch zeigt Abteilungen des Krankenhauses, Geräte und Untersuchungsräume, aber auch Menschen, die im Krankenhaus arbeiten. Als Besonderheit können Kinder bei manchen Bildern kleine Türchen aufmachen, hinter denen sich ein neues Bild verbirgt. Ein ganzseitiges Aufklapp-Bild zeigt einen Querschnitt durch ein Krankenhaus. Das Buch muss nicht in einem Rutsch vorgelesen werden. Man kann an verschiedenen Stellen einsteigen. Die Türchen aufzumachen ist für sehr kleine Kinder sicher nicht ganz einfach, aber irgendwann klappt´s und macht dann auch besonders Spaß.
  • “Eddie Flitzefuß im Krankenhaus” von Ursula Meisinger, Milly Orthen und papan, W. Zuckschwerdt Verlag für Kinder ab 3 Jahren.
    Das Buch von Eddie, dem Eichhörnchen, das ins Krankenhaus muss, ist eine schöne Mischung aus Bilderbuch und Sachbuch. Mit seinen Freunden Rosa und Lenni erkundet Eddie alle Abteilungen des Krankenhauses und lernt, wie Untersuchungen funktionieren und was im Krankenhaus alles gemacht wird. Fotos von Kindern im Krankenhaus und farbenfrohe Illustrationen wechseln sich mit informativen Texten ab und bringen die ernste Thematik auf einfühlsame Weise näher. Eddie Flitzefuß entstand im Schwabinger Kinderkrankenhaus in München und zeigt authentische Krankenhausszenen. Durch die pfiffigen Bilder des bekannten Illustrators papan ist es eine charmante und informative Lektüre für Kinder und Erwachsene.
    Weitere Informationen finden Sie hier

Autorin

Elisabeth Yu, M. A., Jahrgang 1968, ist Lektorin und Redakteurin im konzernunabhängigen W. Zuckschwerdt Verlag für Medizin und Naturwissenschaften in Germering bei München.

Der Verlag publiziert neben medizinischen Fachbüchern anspruchsvolle Patientenratgeber und eine onkologische Pflegefachzeitschrift. Anliegen des Verlages ist es, mit fachlich fundierten Ratgebern Patienten bestmöglich zu informieren.

Kontakt

W. Zuckschwerdt Verlag
Elisabeth Yu
Industriestraße 1
82110 Germering
E-Mail
Zuckschwerdtverlag

Erstellt am 15. Februar 2013, zuletzt geändert am 19. Februar 2013