Elternkurs: Starke Eltern – starke Kinder

Michael Schnabel
Mschnabel
 

Das Leben in den Familien wird unübersichtlicher, die Anforderungen werden größer und der Druck auf die Eltern nimmt von allen Seiten zu. Diese Umstände beeinträchtigen auch die Kindererziehung: Gestresste und nervöse Eltern haben es schwerer, Konflikte souverän und gelassen anzugehen. Unüberlegtes und gewalttätiges Handeln greift da schnell um sich.

Seit den 1970er Jahren macht sich der Deutsche Kinderschutzbund für eine gewaltfreie Erziehung stark. Er bietet für Eltern Fortbildungen, um deren Erziehungskompetenzen zu stärken.

Im Jahr 2000 wurde die gewaltfreie Erziehung im Bürgerlichen Gesetzbuch im § 1631 Abs.2 verankert: “Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.” Zusätzlich wurden die Jugendhilfeträger aufgefordert, den Eltern Wege aufzuzeigen, wie sie Konfliktsituationen in Familien gewaltfrei lösen können.

Die Verabschiedung des Gesetzes wurde vom Bundesfamilienministerium mit der Kampagne “Mehr Respekt vor Kindern” unterstützt. Begleitend dazu gab es für Elternkurse des Deutschen Kinderschutzbundes “Starke Eltern – Starke Kinder” eine finanzielle Förderung.

Rahmenbedingungen des Kursangebotes

Die Standards der Elternkurse “Starke Eltern – Starke Kinder” sind festgeschrieben und für alle Kursangebote verbindlich. Dadurch wird durchwegs eine hohe Qualität des Angebots gesichert.

Folgende Punkte sind maßgebend:

1. Der zeitliche Umfang des Elternkurses beträgt 8-12 Kurseinheiten (mindestens 16 Zeitstunden, Angebot nicht ausschließlich als Kompaktwochenende).

2. Die Gruppengröße beträgt mindestens 8 und höchstens 16 Teilnehmer/innen.

3. Folgende Rahmenbedingungen sind vorab zu klären:

  • Aufstellung eines Kosten- und Finanzierungsplanes …
  • Finanzierungsmöglichkeiten …
  • Raumwahl …
  • Klärung der Bewirtung.

4. Zielgruppe sind grundsätzlich alle Eltern, eine spezifische Zielgruppenansprache (Ein-Eltern-Familien, Patchworkfamilien, bestimmte Altersstufen) ist möglich. Elternkurse können auch als Fortbildung für Fachkräfte (z.B. Erzieherinnen) angeboten werden.

5. Beim Zugang ist das Prinzip der Freiwilligkeit uneingeschränkt gültig (keine Zuweisung durch Gerichte, Anordnung von Jugendämtern etc.).

6. Gruppenregeln (An-, Abwesenheiten, Vertraulichkeit etc.) sind gemeinsam mit den Eltern beim ersten Kurstreffen festzulegen.

7. Durchführung eines Elternkurses möglichst mit 2 Elternkursleiter/innen.

8. Eine Rollenkollision muss ausgeschlossen sein (eine Fachkraft, die einen beruflichen Kontakt zu bestimmten Familien hat, darf nicht gleichzeitig Elternkursleiter/in für diese Eltern sein).

9. Folgeangebote zur Sicherung der Nachhaltigkeit und zum Aufbau von Elternselbsthilfe sollen unterstützt werden.

10. Am Ende des Kurses erfolgt eine Auswertung (Feedbackbogen) durch die Eltern.

11. Der Elternkurs wird durch einheitliche Evaluationsbögen ausgewertet, die dem zuständigen Landesverband zugeleitet werden.” (Aus: http://www.elternkurs-schulung.de )

Diese Richtlinien zertifizieren die Kurse als eingetragene Markenzeichen. Sie haben für die Kursleiter/innen verpflichtenden Charakter.

Die Kurstreffen bestehen aus einem Theorie- und einem Praxisteil. Nach jedem Treffen erhalten die Eltern eine Hausaufgabe. Sie legt fest, welche Verhaltensweisen die Eltern bis zum nächsten Treffen in der Familie erproben bzw. beobachten sollten.

Ziele und Themen des Kurses

Leitziele der Elternkurse sind Stärkung der Erziehungskompetenz der Eltern und zugleich Verhinderung von psychischer und physischer Gewalt in den Familien. Weiterhin sollen die Mitsprache, Mitbestimmung und Mitgestaltung der Kinder am Familienleben ermöglicht und erweitert werden. Dafür ist grundlegend, das Selbstvertrauen der Eltern zu festigen und die Kommunikationsfähigkeit zu verbessern (vgl. P. Honkanen-Schoberth, 2003).

Den Eltern wird das “Modell des anleitenden Erziehens” vermittelt. Dieses Modell möchte die Eltern dazu befähigen, dass sie mit den Kindern zusammen Wege finden, die weniger Stress und Konflikte im Alltag erzeugen. Im Einzelnen werden folgende Verhaltensweisen behandelt:

  • Wie muss ich sprechen, damit mein Kind mit zuhört?
  • Wie muss ich zuhören, damit mein Kind mit mir spricht?
  • Wie lassen sich die Bedürfnisse der Kinder und Eltern abgleichen?
  • Welche Erwartungen haben Eltern an sich?
  • Welche Erwartungen haben Eltern an ihre Kinder?

Ausgewählte Themen für einzelne Treffen sollen sein:

  • Was ist wichtig in der Erziehung?
  • Die psychischen Grundbedürfnisse des Kindes.
  • Wie bin ich als Erzieher?
  • Wie benutze ich als Erzieher Macht?
  • Gefühlsäußerungen.
  • Problemlösefähigkeit.

Die Gespräche und Überlegungen der Eltern in der Kleingruppenarbeit bleiben nicht auf diese übergreifenden Themen fixiert, sondern erstrecken sich auf alle Belange des Familienalltags.
Erfolgskontrolle

Laut den Qualitätsstandards muss jeder Kurs mit einem Fragebogen überprüft werden. Es wurden bereits mehrere empirische Untersuchungen von Experten der Pädagogik durchgeführt und publiziert: Demnach haben Eltern nach dem Kurs mehr Geduld mit ihren Kindern. Sie treffen vermehrt Absprachen mit ihren Kindern und achten konsequenter darauf, dass sie auch eingehalten werden.

Multiplikatoren

Die Landesverbände des Deutschen Kinderschutzbundes bieten Schulungen zum Konzept “Starke Eltern – Starke Kinder” an. Die Teilnehmer/innen werden in einem mehrtägigen Kurs in das Modell der anleitenden Erziehung eingeführt. Nähere Auskünfte gibt es bei den Landesverbänden, beispielsweise Deutscher Kinderschutzbund Landesverband Bayern e.V. Arabellastr. 1, 81925 München.

Literatur

Weitere Beiträge des Autors hier in unserem Familienhandbuch

Autor

Michael Schnabel war wissenschaftlicher Angestellter am Staatsinstitut für Frühpädagogik

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Erstellt am 16. September 2003, zuletzt geändert am 13. Juni 2012