“FamilienTeam”-Elterntraining:

Mehr Freud’ und weniger Leid in der Familie

Dr. Johanna Graf
 Jgraf

Eine glückliche Familie werden – das wünschen sich alle, die heute eine Familie gründen. Doch wie ein schreiendes Baby beruhigen? Wie einen kleinen Trotzkopf bändigen? Wie einem unsicheren Kind Selbstvertrauen für die Welt “draußen” mitgeben? Alle Eltern lieben ihre Kinder und wollen ihnen das mit auf dem Weg geben, was sie für die “große Welt” brauchen werden: Selbstvertrauen, Verantwortungsbewusstein, Respekt für andere und vieles mehr. Die Klippen des Familienalltags erfolgreich zu umschiffen und dabei auch noch Zeit für sich und die Partnerschaft zu finden ist eine anspruchsvolle Aufgabe, auf die niemand so recht vorbereitet ist.

“Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen” gilt auch für die “Kunst der Erziehung” . Und genau hier setzt das “FamilienTeam” -Elterntraining an. FamilienTeam ist ein Elterntraining zur Stärkung der Erziehungskompetenz und der Eltern-Kind-Beziehung.

In dem Beitrag werden Ziele, Inhalte und Methoden des Elterntrainings vorgestellt. Wissenschaftliche Aspekte ergänzen die Ausführungen.

Wie werden wir eine glückliche Familie?

...Eltern sein dagegen sehr

Eine glückliche Familie werden – das wünschen sich alle, die heute eine Familie gründen. Doch wie ein schreiendes Baby beruhigen? Wie einen kleinen Trotzkopf bändigen? Wie einem unsicheren Kind Selbstvertrauen für die Welt „draußen“ mitgeben? Alle Eltern lieben ihre Kinder und wollen ihnen das mit auf dem Weg geben, was sie für die „große Welt“ brauchen werden: Selbstvertrauen, Verantwortungsbewusstein, Respekt für andere und vieles mehr. Die Klippen des Familienalltags erfolgreich zu umschiffen und dabei auch noch Zeit für sich und die Partnerschaft zu finden ist eine anspruchsvolle Aufgabe, auf die niemand so recht vorbereitet ist. Früher (und in anderen Kulturen ist das heute noch so) war die ganze Sippe, das ganze Dorf oder zumindest die Großfamilie für die Erziehung der Kinder verantwortlich. Heute lastet die gesamte Verantwortung auf den Schultern der Eltern, oft sogar allein auf den Müttern.

Kinder schenken ihren Eltern die glücklichsten Momente ihres Lebens und schaffen es von einem Augenblick zum nächsten, die schlechtesten Seiten ihrer Eltern zum Vorschein, diese „auf die Palme“ oder „um den letzten Nerv“ zu bringen. In Sekundenschnelle findet man sich auf gegnerischen Seiten wieder, statt zusammen – als Team – an einem Strang zu ziehen. Erziehung ist ein schwieriges Kunsthandwerk geworden – eine Kunst, die gelernt werden muss und kann.

Was ist „FamilienTeam“?

„Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“ gilt auch für die „Kunst der Erziehung“. Und genau hier setzt das „FamilienTeam“-Elterntraining an. FamilienTeam ist ein Elterntraining zur Stärkung der Erziehungskompetenz und der Eltern-Kind-Beziehung (siehe Abb. 1). 8 bis maximal 12 Eltern verfeinern und vervollständigen ihr Handwerkszeug, um für die Klippen des Familienalltags gerüstet zu sein. Ein erfahrenes Trainerteam (nach Möglichkeit ein Mann und eine Frau) unterstützt sie dabei, ihrem Ziel einen Schritt näher zukommen und dabei auch noch Spaß zu haben

 Unbenannt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 1: FamilienTeam im Überblick

Das Training umfasst 8 x 3 Stunden in unterschiedlicher „Verpackung“:

  • im wöchentlichen oder 14tägigen Abstand
  • als Block-Kurs (z.B. zweimal Freitag Abend und Samstag, im zwei- bis vierwöchigem Abstand)
  • als Kombi-Kurs (z.B. ein Samstag, vier Abende, ein Samstag).

Nähere Informationen hier

Wozu noch ein neues Angebot?

Die Regale der Buchhandlungen quellen über von Elternratgebern – meist zum Thema „Grenzen setzen“. Immer neue Elternkurse erobern den Markt. Warum gibt es nun auch noch das FamilienTeam?

Zwei Leitfragen habe ich an die bestehenden Programme gestellt:

1. Was lernt das Kind?

2. Wie effektiv sind die im Kurs eingesetzten Methoden, um die angestrebten Ziele wirklich zuerreichen?

Die Antworten auf diese Fragen begründeten für mich die Notwendigkeit, ein effektives Programm zur Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenzen zu entwickeln, das den Bedürfnissen von Eltern und Kindern gleichermaßen gerecht wird. Die Idee zum„FamilienTeam“ war geboren (siehe Abb. 2; ausführlichere Informationen zum Vergleich unterschiedlicher Programme in Graf, Dez. 2004).

Unbenannt.jpeg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb.2: Besonderheiten von FamilienTeam

1. Was lernt das Kind?

FamilienTeam hebt direkt auf die „Intelligenz der Gefühle“ ab, die sog. emotionalen Kompetenzen der Kinder (und auch der Eltern). „Kinder brauchen emotionale Intelligenz“ nennen John Gottman und J. DeClaire ihren internationalen Bestseller. Warum? Mit eigenen Gefühlen umgehen können (z.B. sich wieder beruhigen) ist die Voraussetzung dafür, mit anderen und sich selbst zurecht zu kommen, die Aufmerksamkeit und Konzentration auch in stressigen Situationen (z.B. bei Prüfungen) steuern zu können. Für die körperliche Gesundheit, persönliches Wohlbefinden, schulischen und beruflichen Erfolg sind emotionale Kompetenzen entscheidend.

Was heißt das für Eltern? Wenn Kinder einen Trotzanfall bekommen oder sich gehörig daneben benehmen, hat das meist damit zu tun, dass sie nicht wissen, wie sie mit heftigen Gefühlen, mit Wut und Ärger umgehen sollen. Die Familie ist der Ort, an dem Kinder das lernen können und sollten. „Alle Gefühle sind erlaubt, aber nicht jedes Verhalten“. Eltern können ihren Kindern beibringen, die Kraft der Gefühle zu nutzen und einen angemessenen Ausdruck dafür zu finden (z.B. mit Worten sagen, was sie ärgert). Das schont die Nerven der ganzen Familie. Im Beitrag „Unsere Familie – ein starkes Team“ sind die wissenschaftlichen Grundlagen von FamilienTeam beschrieben.

2. Welche Methode ist wirksam?

Würden Sie sich zu einem Schwimmkurs anmelden, der im Trockenen stattfindet? – Wir alle wissen aus eigener Erfahrung: Lange Vorträge gehen zum anderen Ohr wieder ’raus – dafür braucht man keinen Kurs besuchen, man könnte ebenso gut daheim auf dem Sofa gemütlichein Buch lesen. Austausch mit anderen entlastet. Es tut einfach gut, zu hören, dass andere zuhause auch nicht nur eitel Sonnenschein haben. Aber um Dauerbrenner wirklich dauerhaft abzustellen, hilft Austausch alleine nicht weiter. Hier ist echte Hilfe vonnöten – am besten als aktives Training. Ein klares Bild davon haben, wie die Situation gut laufen könnte (über Video und mit Unterstützung eines Trainers / einer Trainerin eben diese Situation aktiv angehen. In der Rolle des Kindes erleben, was ankommt. In der Vater- oder Mutterrolle erleben, dass es wirklich funktioniert und gar nicht so schwer ist. Schritt für Schritt den Werkzeugkasten vervollständigen. Das ist es, was wirkt. „Ich kann das“ – ein gutes Gefühl!

Die FamilienTeam-Trainingsmethode wurde aus den erfolgreichen Programmen zur Partnerschaftskommunikation, EPL (Ein Partnerschaftliches Lernprogramm) und KEK (Konstruktive Ehe und Kommunikation) auf die Eltern-Kind-Beziehung übertragen.

Inhalte von FamilienTeam

Was tun, wenn das Kind an der Supermarktkasse einen Wutanfall bekommt,weil Sie ihm den Schoko-Riegel nicht lassen wollen?

Unbenannt.jpeg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was tun, wenn Ihr Kind beim Mittagessen nur lustlos im Essen rumstochert, ohne damitrauszurücken, was los ist?

Unbenannt.jpeg

FamilienTeam vermittelt Eltern konkretes Handwerkzeug, damit sie solche herausfordernden Situationen meistern können und dabei die eigenen Nervern und die ihrer Kinder schonen. Abwechselnd schlüpfen die Eltern - geschützt in getrennte Untergruppen - in die rolle des Kindes und üben in der Elternrolle systematisch insgesamt 5 Hörer- und Sprecherregeln ein (vgl. Abb. 3), die es erleichtern, die Klippen des Familienalltags zu umschiffen und immer wieder "auf Kurs" zu kommen. Sie werden schrittweise eingeführt, an unterschielichen Ausgangssituationen mit Leben gefüllt und gehen auf diese Weise nach und nach in Fleisch und Blut über.

 

Unbenannt.jpeg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 3: Fünf Hörer- und Sprecherfertigkeiten im FamilienTeam

Einen Überblick über die Inhalte der acht FamilienTeam-Einheiten zeigt Abbildung 4. Die Einheiten folgen in ihrem Aufbau der Logik: Ich kann mein Kind nur beeinflussen, wenn ich Einfluss habe. Ich habe nur Einfluss, wenn die Beziehung im Lot ist. Für schwierige Zeiten brauche ich ein gutes Polster. Folglich hilft es nichts, im „roten Bereich“ „’rumzudoktern“ – auch wenn es genau da brennt. Erst muss die Basis stimmen.

Unbenannt.jpeg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 4: Die acht FamilienTeam-Einheiten im Überblick

Vorbild sein, die Beziehung stärken, Problemen vorbeugen

Einheit 1: Vom Familienkompass und dem Pausenknopf
Schimpfen, Schreien, Toben – am liebsten würden wir hinterher „zurückspulen“ und nochmal von vorn beginnen. Gerade in hitzigen Momenten kann man „auf den Pausenknopf drücken“ (wie beim Videorekorder), innehalten und sich fragen: „Was möchte ich in dieser Situation erreichen? Was soll mein Kind langfristig lernen?“ Ein Blick auf den eigenen „Kompass“ sagt, wo’s lang geht, weil er Antworten auf solche Fragen bereit hält und eine klare Zielrichtung vorgibt. So komme ich im Alltag immer wieder „auf Kurs“.

Einheit 2: Unser Beziehungskonto
Alle Eltern wollen eine gute Beziehung zu ihren Kindern haben. „Beziehungen sind wie ein emotionales Bankkonto. Man kann Einzahlungen oder Abhebungen machen“. Damit man (bzw. die Beziehung) nicht bankrott macht, sollten die Einzahlungen logischerweise die Abhebungen übersteigen. Lächeln, über den Kopf streichen, eine Umarmung, eine anerkennende Geste, ein aufrichtiges, konkretes Lob für die einzelnen Schritte, die das Kind unternommen hat – das alles sind Einzahlungen, die für die schwierigen Momente ein wichtiges Polster schaffen.

Einheit 3: „Emotions-Coaching“ oder wie Eltern die „emotionale Intelligenz“ ihres Kindes fördern können

Wenn Kinder unglücklich sind, hätten wir es am liebsten, dass sie gleich wieder freudig strahlen können. Einfach auf einen Knopf drücken und das Unglück ist wie weggeblasen - das wäre toll! Weil wir mitleiden, wenn es unseren Kindern schlecht geht, versuchen wir, sie abzulenken, die Gefühle gar nicht weiter zu bemerken oder klein zu machen („ist doch nichtso schlimm“). Leider ist gerade das das beste Mittel, um die unangenehmen Gefühle noch zu verstärken. Denken Sie an Ihren letzten Partnerschaftsstreit: Am weitesten treibt Ihr Partner Sie auf die Palme hinauf, wenn er Ihnen das Recht abspricht, sauer oder verletzt zu sein.

Wenn Sie achtsam sind und

  • die Gefühle Ihres Kindes (auch die ersten kleinen Anzeichen) bemerken,
  • sie ernstnehmen,
  • Ihrem Kind Zeit lassen,
  • Worte für die Gefühle finden
  • und dem Kind zu verstehen geben, dass es Ihnen an seiner Stelle auch so gehen würde, beruhigt sich Ihr Kind am leichtesten. Sie stehen ihm bei und begeben sich ganz in „seine Welt“. „Emotions-Coaching“ nennt das John Gottman. Sobald das Kind sich verstanden fühlt und wieder einen klaren Kopf hat, kann es mit Ihrer Hilfe sein Problem selbst lösen. Sie haben eine große Einzahlung auf’s emotionale Bankkonto gemacht. Ihr Kind ist auf dem Weg zur Selbständigkeit ein gutes Stück weiter gekommen.

Einheit 4: Die Kraft der positiven Bilder
„Mein Kind tut nie was ich sage!“ „In einem fort muss ich antreiben und verbieten!“ Das kostet Kraft! Und auch die Kinder sind ja nicht gerade scharf darauf, den ganzen Tag gegängelt zu werden. Wenn Ihnen jemand eine Million Euro böte, wenn Sie es schaffen, nicht an einen rosaroten Elefanten zu denken – Sie würden es nicht fertigbringen. So funktioniert das menschliche Gehirn

Die Kunst besteht darin, dem Kind genau zu sagen, wie es sich richtig verhalten kann. Positiv formuliert, so dass es ein klares Bild vor Augen hat von dem, was Sie erwarten und was es als nächstes tun soll. Sie werden überrascht sein, wie gut Ihr Kind mitmacht. Schließlich hilft es gerne mit und tut den Eltern einen Gefallen, wenn es einfach ist und die Beziehung im Lot ist.

Hitzige Momente und Dauerbrenner: Grenzen setzen, Konflikte angehen, Probleme lösen:Die Einheiten 5-7

Einheit 5: Grenzen setzen in Liebe - das funktioniert sogar am besten!
„Aber er hat so viel Spaß und wenn er dabei noch sein schelmisches Lächeln aufsetzt...“ – Weil Eltern ihre Kinder lieben, ist es so schwer, klare Grenzen zu setzen. Schließlich möchte man ihnen ihre Freude gönnen und selbst ist es einem nicht so wichtig. Na gut. Bis einem dann doch der Geduldsfaden reißt und ein Riesendonnerwetter losgeht. Pausenknopf. „Wasmöchte ich, dass mein Kind lernt?"

Natürlich, die Bedürfnisse des Kindes sind wichtig – aber meine eigenen auch! Die Kunst besteht darin, Wahlmöglichkeiten zu finden, die den Bedürfnisse von Eltern und Kind gleichermaßen gerecht werden. Wir beide sind wichtig. Ich muss kein Riesendonnerwetter loslassen. Ich kann „zwei Erlaubnisse“ aussprechen, zwischen denen das Kind sich entscheiden kann. Die für mich in Ordnung sind und die für mein Kind in Ordnung sind. Ich weiß, dass auf dem Sofa springen für mich nicht in Frage kommt. Da bin ich innerlich ganz klar. Ich nehme mein Kind bei den Händen und sage freundlich: „Du kannst hier bei der Mama auf dem Sofa ein Buch anschauen oder Du kannst auf der Matraze in Deinem Zimmer Trampolin springen“.

Einheit 6: Wenn es brenzlig wird: „Erst verstehen, dann verstanden werden"
Manchmal passiert es in Sekundenschnelle, dass die Nerven blank liegen und die Gefühle hochkochen. Ring frei! Wer gewinnt diesmal? – Das Schwierigste beim Umgang mit Konflikten ist es, in der inneren Haltung bewusst umzuschwenken. Ich muss mich entscheiden: Kampf oder Teamgeist. Statt automatisch „Du gegen mich“, „Ich gegen Dich“ zu denken, kann ich mir sagen: „Wir beide gegen das Problem“, „Wir sind eine Familie, wir sitzen im gleichen Boot“. Der Rest geht dann fast von allein.

Wenn Kinder außer sich sind vor Wut (und das gilt genauso für Erwachsene), können sie nicht hören, was wir sagen. Da hilft nur eines weiter: die Wut erst einmal zu akzeptieren. Dem Kind zu verstehen geben, dass ich das sehe und dass es ein Recht hat, sich zu fühlen, wie es sich fühlt (siehe Einheit 3). Fast wie Zauberei wirkt Wunscherfüllung in der Phantasie: „Es wäre so schön gewesen, wenn ...“. Gemeinsam Bilder heraufbeschwören von dem, was inder Realität leider nicht möglich ist. Das verbindet. Das bricht das Eis. Ein erstes Lachenkommt hervor und der schwierigste Teil ist geschafft. Dann gilt es, gemeinsam eine Lösung zu finden, die für beide passt. Wenn sich das Kind in der Hitze des Moments daneben benommen und mich wüst beschimpft hat, nutze ich die Gelegenheit, um ihm beizubringen, angemessene Ausdrucksformen für seine Gefühle zu finden. Alle Gefühle sind erlaubt, aber nicht jedes Verhalten.

Einheit 7: Die leidigen Dauerbrenner: spielerisch lösen
Nach dem gleichen Prinzip „Deine Welt – Meine Welt – Unsere Welt“ können auch die Dauerbrenner gelöst werden, die jede Familie kennt. Zum Glück ist das viel leichter, denn man sucht sich einen guten Moment aus. Einen Zeitpunkt, an dem beide ausgeruht und guter Dinge sind. Wie immer besteht der erste Schritt darin, das Problem des Kindes wirklich zu verstehen und dem Kind Raum zu geben, seine Sichtweise der Dinge zu schildern. Den eigenen Teil („meine Welt“) dann knapp und kurz halten. Weniger ist Mehr. Abwechselnd schlagen beide Lösungen vor, die aufgeschrieben werden (auch bei Kindern, die noch nicht lesen können). Das würdigt alle Ideen. Und abwechselnd darf dann jeder eine Idee wiederstreichen. Was bleibt übrig? Diese Idee (oder eine Kombination) kriegt dann die nächste Woche (oder etwas länger) die Chance, sich zu bewähren. Klingt zu leicht, um wahr zu sein? Tatsächlich funktioniert es, wenn ab der 6. Einheit der„Werkzeugkoffer“ vollständig gepackt ist und ein wenig Übung dazukommt.

Einheit 8: Ein Elternteam bilden
Rückenstärkung durch den Partner bzw. die Partnerin ist  Balsam für die Seele aller Eltern. Das Thema Partnerschaft zieht sich wie ein roter Faden durch alle Einheiten. Schließlich lässt sich vieles von dem, was für die Eltern-Kind-Beziehung gilt, auch für die Partnerschaft nutzen. Und egal, wie es um die Partnerschaft bestellt ist: Eltern bleibt man immer. Es gilt,sich gegenseitig in der Erziehung der Kinder zu unterstützen, als „Elternteam“ zusammenzuarbeiten. Dem anderen konkret sagen, wo das funktioniert hat, hilft, damit es auch in Zukunft so läuft.

Die FamilienTeam-Methode: Übung macht den Meister

Liebe und gute Absichten reichen oft nicht aus, um den Fallstricken des Alltags zu entgehen.Die Tücke liegt meist im Detail und kleine Worte (die uns unbemerkt entschlüpfen) machen einen großen Unterschied. Deshalb kommt den Trainingseinheiten der Löwenanteil im FamilienTeam zu.

Typischer Ablauf: Training ist das Herzstück von FamilienTeam

Nach einer kurzen Einführung ins Thema der Einheit, werden die Gesprächsregeln, die beim aktuellen Thema gebraucht werden, durch Videoszenen veranschaulicht. So hat man ein klares Bild vor Augen, bevor es ans Üben geht. Damit alle aktiv sein können, sich trauen und dabei noch Spaß haben, findet das Training dann in vier getrennten Untergruppen statt. Niemand braucht seine persönlichen Probleme vor der ganzen Gruppe auszubreiten. Die Hälfte der Zeit ist ein Trainer bzw. eine Trainerin dabei. In der anderen Hälfte der Zeit kann man „ungestört“ ausprobieren. Anschließend findet ein Austausch in der Gruppe statt über das, was gelungen ist und „funktioniert“ hat. Anregungen für Zuhause und der Austausch mit dem „Tandem-Partner“ zwischen den Einheiten helfen, „am Ball“ zu bleiben und das Gelernte Zuhause auch wirklich umzusetzen.

Schritt für Schritt den Werkzeugkasten vervollständigen: Systematischer Aufbau

Schritt für Schritt werden die Gesprächsregeln eingeführt – bis der Werkzeugkasten in der sechsten Einheit vollständig ist. Was die Trainer/innen vorschlagen, ist deshalb immer„einfach“. So macht lernen Spaß. Erfolgserlebnisse von Anfang an. „Ich kann das und es funktioniert sogar!“
In jeder Einheit können die Eltern erst an vorgegebenen (das ist leichter), dann an persönlichen Beispielen aus dem eigenen Familienalltag üben. Schwimmen lernt man schließlich auch nicht auf dem Trockenen!

Mehr als ein Kommunikationstraining: Auf die innere Haltung kommt es an!

Viele Eltern haben sich schon mit Elternratgebern auseinandergesetzt und kennen förderliche Gesprächsregeln. Doch erstens gibt es einen großen Unterschied zwischen „kennen“ (d.h.wissen, was gemeint ist) und „können“ (d.h. gekonnt anwenden). Und zweitens: Gesprächstechniken zu beherrschen reicht nicht. Kinder merken es sofort und reagieren zu Recht mit Widerstand, wenn wir versuchen, sie durch „Tricks“ zu manipulieren. Die vorgeschlagenen Gesprächswerkzeuge funktionieren nur, wenn die innere Haltung stimmt. Deshalb konzentrieren sich die Eltern im FamilienTeam auf ihre langfristigen Ziele und dieerforderliche Grundhaltung, bevor sie auf’s Kind zugehen.

  • Wenn ich aufrichtig versuche, mein Kind zu verstehen, und ihm Zeit lasse, wird es sich öffnen (nicht wenn ich innerlich auf die Uhr schaue und gleich los will).
  • Wenn ich innerlich entschieden bin und auf die Bereitschaft meines Kindes vertraue, kann ich effektiv Grenzen setzen.
  • Wenn ich es schaffe, „wir beide gegen das Problem“ zu denken, kann ich in akuten Konflikten zu meinem Kind durchdringen.
  • Vertrauen in mich selbst, in mein Kind und in die Gesprächswerkzeuge sind die Voraussetzung.

Hohe Anforderungen an die Trainerinnen und Trainer

Damit Lernen leicht ist und Spaß macht, und damit die Eltern bei jeder Übung die Erfahrung machen „Es funktioniert! Ich kann’s!“ wird von den FamilienTeam-Trainerinnen und -trainern viel verlangt.

Das Wichtigste ist der wohlwollende, positive Blick auf die Eltern und ihre Stärken. Einen Sicherheitsteppich aus Anerkennung, Bestätigung und Ermutigung bieten. So wenig wie möglich, aber so viel wie nötig unterstützen, damit die Eltern Erfolge für sich selbst verbuchen können (und nicht etwa dem Trainer zuschreiben). Dazu braucht es eine rasche Auffassungsgabe (was läuft gerade?), eine klare „Vision“ (wie kann es weitergehen?), sprachliche Gewandtheit (wie bringe ich das rüber?) und eine Riesenportion Einfühlungsvermögen (in Kinder und Eltern gleichermaßen). Wie die Trainer eingreifen, wird maßgeschneidert auf das, was diese Mutter / dieser Vater in dieser Situation gerade braucht.

Zu den erforderlichen Qualifikationen der Trainer zählen

  • eine pädagogisch-psychologische Grundausbildung
  • Erfahrung in der Leitung von Gruppen
  • ggf. Erfahrung als EPL-/KEK-Trainer1
  • eine intensive, erfolgreich abgeschlossene Ausbildung zur/zum FamilienTeam-Elterntrainer/in, die mit einem Zertifikat bescheinigt wird
  • regelmäßige Teilnahme an den FamilienTeam-Supervisionen.

Nur zertifizierte Trainerinnen und Trainer dürfen FamilienTeam, das patentrechtlich geschützt ist, anbieten. Das sichert die hohe Qualität der Kurse.

FamilienTeam als wissenschaftliches Projekt

FamilienTeam ist als großes Forschungsprojekt an der Universität München (Fakultät für Psychologie und Pädagogik) in Kooperation mit Prof. Sabine Walper entstanden. Alle Kurse werden wissenschaftlich begleitet. Neben den Kursen für Eltern wird es auch Kurse für Kinder, für Erzieherinnen und Lehrer geben.

  Unbenannt.jpeg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 5: Rückmeldungen der Eltern

„Das Beste“ im Kurs sind für die Eltern, die wir befragt haben, die Rollenspiele bzw. praktischen Übungen. Alle Eltern sind sehr zufrieden mit dem FamilienTeam und meinen, die Hilfe, die sie sich davon versprochen haben, erhalten zu haben (vgl. Abb. 5). Ihr Selbstvertrauen als Eltern ist gewachsen – gerade für schwierige Situationen mit dem Kind fühlen sich die Eltern nun besser gerüstet. Nicht nur die Beziehung zum Kind, sondern auch die Partnerschaft und die ganze Familie werden gestärkt. Bereits im Verlauf des Kurses sehen die Eltern positive Veränderungen bei ihrem Kind.

„Mama, Du hast die Schimpfsprache verlernt!“ (7jähriges Mädchen zu ihrer Mutter). Nich nur Eltern finden, dass sie vom Kurs profitieren.

Weitere Informationen zur Evaluation von FamilienTeam sind in Graf (Dez. 2004) zusammengestellt..

Literatur

  • Gottman, J. M. & DeClaire, J. (1997). Kinder brauchen emotionale Intelligenz.. Ein Praxisbuch für Eltern. München: Heyne.
  • Graf, J. & Walper, S. (2002). Familienteam - Das Miteinander stärken. Kursleitermanual für den Elternkurs. Department Psychologie: Ludwig-Maximilians-Universität München.
  • Graf, J. (2004). Unsere Familie – ein starkes Team. In W. E. Fthenakis & M. R. Textor (Eds.), Online-Familienhandbuch. http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Fachbeitrag/a_Familienforschung/s_1312.html (29.06.2004)
  • Graf, J. (Dezember 2004). Hilfen zum Leben mit Kindern. Zum Beispiel Familienteam.Lernort Gemeinde.
  • Graf, J. (2005). Familienteam - Das Miteinander stärken. Freiburg: Herder

Person

Johanna Graf ist Familienpsychologin und Wissenschaftliche Assistentin an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sie arbeitet als Psychologische Psychotherapeutin und Kommunikationstrainerin mit Paaren, Eltern und Familien.

Ihre Schwerpunkte in Forschung und Lehre: Persönlichkeitsentwicklung im Kontext der Familie, Emotionale Regulation inFamilien, Prävention für Paare, Eltern, Kinder und Familien. Aktuelles Forschungsprojekt ist die Evaluation des Elterntrainings „Familienteam“.

Autorin

Dr. Johanna Graf, Dipl.-Psych.

Department Psychologie
Ludwig-Maximilians-Universität München
Leopoldstr. 13
80802 München

Tel.: 089 – 2180 5192

E-Mail

Website

www.familienteam.org
 

Erstellt am 26. Oktober 2004, zuletzt geändert am 16. April 2010