Logopäd/innen und Sprachheilpädagog/innen

Dagmar Winterhalter-Salvatore
Winterhalter

 

 

 

 

Logopäd/innen haben eine dreijährige staatlich anerkannte Ausbildung an einer Berufsfachschule absolviert. Dadurch sind sie befähigt, Sprach-, Sprech-, Stimm-, Hör- und Schluckstörungen, Spracherwerbs- und Redeflussstörungen sowie andere Beeinträchtigungen der Kommunikationsfähigkeit (z.B. Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalten) bei Patient/innen aller Altersgruppen zu behandeln. Ihre Tätigkeit umfasst Diagnostik, Therapie und Beratung. Logopäd/innen behandeln ihre Patient/innen selbstständig und eigenverantwortlich auf Verordnung eines Arztes. Die Kosten werden in der Regel von den Krankenkassen übernommen.

Daneben gibt es Diplom-Sprachheilpädagog/innen bzw. Diplom-Sprachheiltherapeut/innen, die wie die an Förderschulen tätigen Sprachheillehrer/innen an Universitäten ausgebildet wurden. Vereinzelt trifft man ferner auf Staatlich anerkannte Sprachtherapeut/innen (ihre Ausbildung wurde 1998 eingestellt), Klinische Sprechwissenschaftler/innen (Diplom-Sprechwissenschaftler mit einer zweijährigen klinischen Weiterbildung) und Staatlich geprüfte Atem-, Sprech- und Stimmlehrer/innen (Ausbildung an einer Berufsfachschule). Alle diese Fachleute diagnostizieren, behandeln und therapieren Sprachstörungen jeder Art. Die Behandlung kann in der Regel bei ärztlicher Verordnung mit den Krankenkassen abgerechnet werden.

Fallbeispiel “Sven redet nicht mehr”

Sven ist fünf Jahre alt und ein sehr aufgeweckter Junge. Seine kreativen Einfälle in der Erfindung von Spielen werden von den Kindern geschätzt; er ist bei allen beliebt und fügt sich problemlos in jede Gruppe ein. Besonders erfinderisch ist er beim Geschichtenerzählen – da kennt seine Fantasie oft keine Grenzen.

In letzter Zeit fällt allerdings auf, dass Sven sich oft im Redefluss verhaspelt oder im Sprechen stockt. Seine Motorik wirkt in diesen Situationen sehr linkisch und verkrampft. Auch der Mutter fällt dieses Verhalten auf und sie versucht, durch ständiges Korrigieren dem Kind seine Sprachauffälligkeit bewusst zu machen. Der Junge stottert nun fast bei jeder Äußerung. Vermehrt zieht er sich aus dem Gruppengeschehen zurück, wirkt antriebsarm und schwer motivierbar. Seine fantasievollen Geschichten scheinen versiegt.

Mutter und Erzieherin sind sich einig, dass Sven therapeutisch behandelt werden muss. Eine frei praktizierende Logopädin ist bereit, in den Kindergarten zu kommen, um sich das Kind anzuschauen. Sie beobachtet das Kind, wie es z.B. alleine ohne stockende Rede in der Puppenecke mit einem Bär spricht. So wird deutlich, dass das Stottern nur in der zwischenmenschlichen Interaktion auftritt. Insbesondere die Eltern, aber auch die Erzieherinnen, werden von der Logopädin angehalten, Sven während des Redeflusses nicht direkt anzuschauen, ein Stottern zu ignorieren und ihn nicht durch Korrigieren oder Wortwiederholungen in Bedrängnis zu bringen.

Schon nach wenigen Therapiestunden in der logopädischen Praxis legt sich die Sprachbeeinträchtigung. Vermutlich handelt es sich bei Sven um das entwicklungsbedingte Stottern im Vorschulalter. In dieser Zeit setzt die kognitive Reifung verstärkt ein: Die Kinder denken im wahrsten Sinne des Wortes schneller, wie sie ihre Wahrnehmungen artikulieren können.
 

Autorin

Dagmar Winterhalter-Salvatore ist am Staatsinstitut für Frühpädagogik als Heilpädagogin angestellt.

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Erstellt am 31. Mai 2001, zuletzt geändert am 19. Juli 2013