Physiotherapeut/innen, Ergotherapeut/innen und Motopäd/innen

Dagmar Winterhalter-Salvatore

Bei eng umgrenzten Auffälligkeiten eines Kleinkindes kann der Haus- oder Kinderarzt auch eine Behandlung durch Therapeut/innen in freier Praxis verordnen. In diesem Fall werden die Kosten von den Krankenkassen übernommen.

Physiotherapeut/innen:

  • haben eine dreijährige Ausbildung mit staatlicher Abschlussprüfung absolviert. Sie werden bei Störungen sowohl der Bewegungsorgane als auch des zentralen und peripheren Nervensystems oder der inneren Organe tätig. Auf der Grundlage der ärztlichen Diagnose und der eigenen Untersuchung erstellen sie einen Behandlungsplan, der z.B. manualtherapeutische Maßnahmen, medizinisches Funktionstraining, Atemtherapie, Methoden zur Sensorischen Integration, Psychomotorik und physikalische Therapien (Kälte- und Wärmeanwendungen, Massagen, Elektrotherapie usw.) umfassen kann. Ein weiterer Schwerpunkte ihrer Arbeit ist ferner die Krankengymnastik (die Berufsbezeichnung “Physiotherapeut” umfasst und ersetzt die frühere Berufsbezeichnung “Krankengymnast” ).

Ergotherapeut/innen:

  • auch Beschäftigungs- und Arbeitstherapeut/innen genannt, haben in der Regel eine dreijährige Ausbildung an einer Berufsfachschule absolviert. Ihre Aufgaben liegen neben der ergotherapeutischen Diagnostik und der Erstellung eines Therapieplanes in der Durchführung von Einzel- oder Gruppenbehandlungen: Durch das Spielen, die künstlerische Betätigung und das Basteln mit ganz unterschiedlichen Materialien und Gegenständen entwickeln Kinder motorische Fertigkeiten. Einschränkungen in der Beweglichkeit werden abgebaut, Konzentrationsfähigkeit, Eigeninitiative und Kreativität gefördert. Je nach (weiterer) Spezialisierung – und bei entsprechender Indikation – können Methoden aus der Psychomotorik, Musik-, Kunst- und Tanztherapie, neurophysiologische Behandlungsmaßnahmen, Entspannungstechniken oder Autogenes Training eingesetzt werden. Neben körperlichen Fähigkeiten und Funktionen werden somit (indirekt) auch psychische und soziale gefördert. Ferner werden die Eltern der behandelten Kinder beraten.

Motopäd/innen:

  • ähnliche Berufsbezeichnungen sind: Motolog/in, Mototherapeut/in und Psychomotoriker/in – arbeiten mit Kindern, die in ihren Wahrnehmungs- und Bewegungsfunktionen eingeschränkt oder behindert sind und in Folge davon Beeinträchtigungen im sozialen Leben und emotionalen Erleben erfahren. Sie gehen von der funktionellen Einheit von psychischen und motorischen Vorgängen aus – von Wahrnehmen, Bewegen und Erleben in konkreten raum-zeitlichen Bezügen (psychomotorische Einheit). So richten sich ihre Maßnahmen auf den Überschneidungsbereich zwischen Leib und Seele. Motopäd/innen fördern die kindliche Entwicklung durch wahrnehmungs- und erlebnisorientierte Bewegungsangebote – z.B. durch Spiele und Übungen, die das Kind spüren lassen, wie sich sein Körper bewegt, zur Ruhe kommt oder in sozialen Bezug gerät und wie es Handlungen plant und durchführt. Auf diese Weise macht das Kind Erfahrungen mit sich selbst, mit verschiedenen Materialien und mit anderen Menschen, entwickelt es eine positive Beziehung zum eigenen Körper und sich selbst, wird es ganzheitlich in seiner Persönlichkeitsentwicklung gefördert.

Autorin

Dagmar Winterhalter-Salvatore ist am Staatsinstitut für Frühpädagogik als Heilpädagogin angestellt.

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Erstellt am 31. Mai 2001, zuletzt geändert am 19. Juli 2013